walckerBlog  12.12.08

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EFW-Blog13.01.2009

walckerflash.de 09.D2ez.

  

 

 

 

NEWS 2008_05

28.Dez

Die Walcker-Orgel Opus 1642, gebaut im Jahre 1911 nach Swakopmund, Namibia, freut sich höchster Funktionsfähigkeit, wie wir aus dem angehängten 16 Sekunden Video hören und sehen können. Ein begeisterter Leipziger hat das alte "Deutsch-Südwestafrika" besucht und dabei diesen Multimedia-Schnipsel erstellt. Die Orgel ist übrigens eine rein pneumatische Kegelladenorgel und müsste in jedem Fall schon einige Reparaturen - Restaurierungen hinter sich haben. Irgenwo wurde dieses Instrument auch veröffentlicht, ich hab's leider noch nicht gefunden. Dank an Matthias Zänker, Leipzig.

Als Jünger der Heiligen Cecilia sind wir morgen für drei Tage unterwegs in der Ewigen Stadt. Hier gilt es auf den Spuren Oscar Walcker's zu wandeln und anderen erweiternder Orgelbauern, und dabei eine der größten Orgeln der Stadt aufzunehmen und gute Vorschläge für den Erhalt zu unterbreiten. Dazu auch ein späterer Bericht. (in dieser "raffaelinischen" Stellung sieht der Orgelbauer die Heilige Cäcillia am liebsten: das gibt Arbeit....)

OrgelCD-Transylvania: das geben wir doch gerne zu, dass wir außer von Graf Dracula und tiefdunkelgrünen Wäldern kaum eine Vorstellung haben über Siebenbürgen, wie der Landstrich in Rumänien auch noch genannt wird. Einige aber kennen ihn, Paul Richter (1875-1950) aus Kronstadt, der eine ganz passable Orgelsonata Op. 36 komponiert hat, die es zumindest jetzt zweimal auf CD's anzuhören lohnt. Besonders gut gefallen hat mir die Version von Nicoleta Paraschivescu auf der Walcker-Orgel in Winterthur, bespielt 2008 - eine weitere Variante ist schon um einiges älter (1992), sie befindet sich auf Dabringhaus&Grimms DoppelCDPack mit gleichlautendem: "TRANSYLVANIA" und wurde auf der Sauer-Orgel in Hermannstadt gespielt. Ich stelle beide CD's auf der obigen Seite vor. Die Betonung auf Multiethnic bei der ersten CD  gefällt mir sehr gut, etwas, das mir auch in Costa Rica positiv ins Auge gesprungen ist. Nicoleta Paraschivescu beschreibt in dem Booklett wie Luth. Stadtkirche, Katholische Kirche, Orthodoxe Kirche, Ungarisch reformierte Kirche und Jüdische Synagoge in friedlicher Eintracht nebeneinander in Hermannstadt platziert waren. Auf Ihrer CD kann man diesem Frieden nachspüren.

Der Stellvertreter, aus dem Hochhutschen Drama (1964)  hat Costa-Gavras (2002) einen Film produziert, der die Verwicklungen des Vatikan im Dritten Reich mit den Nazis, besonders aber das Schweigen des Papstes über den Holocaust vor der Weltöffentlichkeit, dokumentieren soll. Zunächst ist zu sagen dass allein die Darstellung des Holocaust mit einfachen Mitteln und treffend erzielt wurde. Wer die eiskalten SS-Schergen hören muss, wie sie 10.000 und mehr "Einheiten" am Tag in ihren KZ's "verschaffen" müssen, der kann eine Ahnung davon erlangen, wie dieser Wahnsinn überhaupt real abgehandelt wurde. Daher ist dieser Film ein wichtiges Geschichtsdokument.

Diese DVD wurde von mir als Weihnachtsgeschenk deswegen ausgesucht, weil das gesamte Kirchenbühnenbild aus Atheneum und dem Ceaucescu-Palast in Bukarest besteht. Man kann also hier sehen, wie Pius XII durch die Räume unserer ehemaligen Arbeitsstätten wandelte und wie des ehemaligen Diktators Traumpalast nun in die Räumlichkeiten seiner Heiligkeit übergangslos Beanspruchung finden können. Dass hier ein tiefergehendes Dokument geschaffen wurde, war mir anfangs völlig unbekannt.

Ich kann die teils massive Kritik an Costa-Gavras und seiner hervorragenden Arbeit nicht teilen, und finde es richtig, dass der Streifen in der vorliegenden Form produziert wurde. Die scharfe Kritik an Papst Pius XII, die 1964 durch Hochhuth erfolgte, wird im Film sehr stark modifiziert und stellt dort überhaupt nicht das Thema. Das nämlich ist die historische Figur des SS-Obersturmbandführers Kurt Gerstein, der Blausäure und Zyklon-B organisiert, scheinbar ohne zu wissen, was seine zynischen und menschenverachtenden Kollegen damit anstellen. Es ist und bleibt ein Film über eine deutsche Seele.

Letztendlich habe ich sehr stark den Verdacht, dass man in diesem Falle vermehrt und verstärkt Kritik anbringt, weil man das Thema in dieser Schärfe und Offenheit leid ist. Denn in Deutschland ist dieser Film noch nicht angekommen, - aber Zeit dazu wäre es .

 

TicoTimes bringt einen Artikel über unsere Arbeit in San José

 

in der jetzt veröffentlichten Arbeit von Janet I. Wasserman, “Felix Mendelssohn-Bartholdy & Fanny Mendelssohn Hensel: Portrait Iconographies,” Music in Art [City University of New York, Research Center for Music Iconography], XXXIII/1-2 (2008), 317-371, die in den nächsten Tagen auch online veröffentlicht werden soll, ist mein Portrait von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt.

24.Dez

4:2 steht das Verhältnis der Evangelisten, welche die Tempelreinigung beschreiben, gegen jene, welche die Weihnachtsgeschichte erzählt haben. Also der streitbare Jesu führt klar mit zwei Treffern Vorsprung.

Damit erfahren wir etwas über die Bibel, wo sie ihre Schwerpunkte setzt. Also Matthäus, Markus, Johannes und Lukas berichten vom streitbaren Jesus, der die Geldwechsler und Händler aus dem Tempel wirft. Nur zweimal wird die Weihnachtsgeschichte erzählt.

Wir wollen heutzutage aber mehr und mehr das verpuppte "Kindleinsgesicht" eines  Jesus zu uns nehmen, das geradezu aus diesem "Tempel" der Konsumlust und damit der Geldscheffler stammt. Wir tragen also die verlogene und entstellte Fratze eines Gottes vor uns her, der andersartige Züge im Neuen Testament aufleuchten ließ. Mit dieser "Verniedlichung" wird die notwendige "Auseinandersetzung" zugekleistert.

Jeder der mit Geld spekuliert, und sei es nur, indem er einen Lottoschein kauft oder bei seiner Bank vorspricht, anstatt sein Vermögen in die armen Länder der Welt einzubringen,  - der handelt unchristlich. Hieran sieht man, welche riesigen  Dimensionen ein Mensch haben muss, um Christ sein zu können. Das, und nichts anderes hat Nietzsche als "Übermensch" bezeichnen wollen. Und mit anderen Worten hat dies auch Kierkegaard getan.

Man muss heute nicht Übermensch sein, um die Verballhornung Gottes, der Mensch geworden ist, mitzumachen. Und derjenige, welcher durch die Finanzkrise getroffen wurde, aber immer noch nicht lassen kann, nur von Gelddingen zu reden, sollte nicht damit anfangen, in der Bibel zu stochern, sondern beginnen  in seinem Tempel mit Hochdruck zu reinigen. Die Chance dazu haben wir nun  endlich alle  durch besagte Finanzkrise erhalten.

Das ist mein einziger Wunsch für die nächsten Jahre: klare, kalte Luft, in der wieder eiskalte, gefrorene Gedanken an unsere Grundlagen für Kultur, Religion und Kunst gemahnen können. Vielleicht ein Erwachen. gwm

22.Dez

zur Bunk-Orgel Reinoldi Dortmund schreibt uns der bekannte Orgelkomponist Thomas Meyer-Fielbig aus Japan. Er kennt diese Orgel und hat zu den Vorgängen rund um die Bunk-Orgel einen sehr fundierten Brief geschrieben, der auf unserer Seite "Bunk-Orgel" heute veröffentlicht vorliegt. Thomas Meier-Fiebig in Wikipedia

 

Die Franz Lachner-CD gespielt von Rudolf Innig an der Walcker-Orgel in Ilmenau. Ich bin Rudolf Innig ungeheuer dankbar, dass er diesen Komponisten ausgegraben hat und verstehe nicht, warum man ihn vergessen konnte. Es sind drei fantastische Sonaten, die teils dunkelfarbiges Kolorit besitzen und wunderbar zu den Improptus Schubert passen.

19.Dez

San José und Cartago - das kulturelle Umfeld und ihre Orgeln, mein letzter Artikel zu Costa Rica auf der ersten Seite. Enthält am Ende eine Liste aller 19 Orgeln des Landes. Wird gelegentlich noch mit entsprechendem Bildmaterial bestückt.

 

Olivier Messiaen: Livre d'Orgue, - Aufnahme vom 23.04.1953 - Uraufführung von Messiaen persönlich gespielt an der Walcker-Orgel in der Villa Berg - Stuttgart, an einer Orgel also, die Olivier Messiaen ausdrücklich für seine Komposition gewürdigt hat. Die Aufnahme wurde bereits 4 mal gesendet und steht gegen entsprechende Kostengebühr zur Verfügung, was wir umgehend angefordert haben. Ich werde an dieser Stelle noch gelegentlich mitteilen, welche Möglichkeiten der Veröffentlichung bestehen. Aus diesem Anlass habe ich unsere umfangreiche, bebilderte Dokumentation, mit kommentierter Dispo und Brief Messiaen hier zur Veröffentlichung bereit gestellt. Dieses pdf-Dokument (7,8MB) darf weder in Auszügen veröffentlicht noch auszugsweise öffentlich zitiert werden. (gwm)

18.Dez

Costa Rica - boscosas carreteras, bewaldete Straßen, eine Bilderschau zwischen TresRios und San José, morgens, mittags, abends. Nicht widerspruchsfrei sind diese Straßen, die man durchs Land gezogen sieht. 99 Bilder zeigen am Straßenrand liegende Halbtote, eine aufreibende Geschäftigkeit, Lebendigkeit bis zum Abwinken, Kaffeeplantagen am Abend, von Nebel dampfende Berge. Auf uns in Mitteleuropa bezogen würde ich mit Chateaubriand (1802)sagen: "wenn der Mensch auf der höchsten Stufe der Zivilisation anlangt, steht er auf der untersten Stufe der Moral" und dagegen halten: "auf verhaltenener Zivilisationsstufe kann doch sehr viel mehr Menschlichkeit Einzug halten....", ob das allerdings mehr Moral verspricht, sei dahingestellt. In jedem Fall gibt es einen feinen Kontrast, und nur das interessiert den Fotografen.

16.Dez

Wieder in Deutschland gut gelandet: Berge von Briefen und Büchern angesichtet. Darunter ein ganz großartiges, fantastisch gut durchgearbeitetes ORGELREGISTER - NAMEN UND GESCHICHTE von Roland Eberlein - das ist wahrscheinlich das beste Buch über Orgelbau, welches in den letzten 50 Jahren in deutscher Sprache  erschienen ist. Ich stelle es direkt neben den Töpfer und Ellerhorst. Anders als im "MAHRENHOLZ", einer fundamentalistischen Taliban-Story über Orgelpfeifen, die Guten von 1520 bis 1780, die Bösen: alles was auf Kegelladen steht, finden wir bei Eberlein keine Ideologie (das ist durchaus postmodern und im Angesicht des riesigen Datenaufkommens, das hervorragend aufbereitet ist, auch erforderlich). Daneben die im 2001-Verlag erschienenen 156 CD´s der kompletten  BACH-Edition für 49,90Euro (nicht zu glauben, wie man zum Preis von einem Rohling die entsprechende MusikCD fabriziert). Und die STUDIEN ZUR ORGELMUSIK - Zur Orgelmusik Olivier Messiaens - Teil 1 und Teil 2 - auf die ich nun, nach den großartigen CD's von Willem Tanke, ganz besonders gespannt bin. Es war wirklich interessant in Costa Rica zu hören, dass auch dort ein unerhörtes Interesse an Messiaen besteht. Zunächst einmal an seiner Klaviermusik und darauf folgend seine Orgelmusik.  Meines Erachtens ist Messiaen für uns Orgelbauer und Orgelliebhaber die letzte Rettung. Eine Lichtsäule in dunkelstem Raume. Den 120Mega-iPod empfehle ich unbedingt nicht zu kaufen !! Wie ich nun von verschiedenen Leuten gehört habe hat das Ding eine Fehlkonstruktion in der Festplatte. So auch mein Gerät nach wenigen Tagen nur noch peinliche Abstürze produzierte.

 DER TÖPFER von 1842 ist online!! - so eine Mitteilung von Pierre Lauwers. Auch hier bin ich gespannt, wie das mit meinem Band aus etwa 1860 zusammenpasst. Weihnachten ist für mich so ein komplettes, von Arbeit verdichtetes Schaffen an 5 Orgeln Costa Ricas. Denn am 28.12.2008 fliegen Alexander und ich nach Rom, um dort eine ganz wichtige Orgel aufzunehmen, von der wir aber hier noch nicht viel verlauten lassen. Das nächste Jahr, das ist jedenfalls schon einmal sicher, das wird sehr turbulent und reiseintensiv (von den Aboriginis über die Inkas zu  Mayas und Azteken, nicht zu vergessen die Kelten und die Romanianer).

Das Heft "Die Walcker-Orgel im Bukarester Atheneum" und "DIE ZEIT von GESTERN" ist momentan nicht mehr auf Lager. Wir haben weitere 200 Exemplare aus Bukarest geordert, und werden das hier wieder kostenfrei zum Versand anbieten, wenn die Lieferung da ist. Anforderungen bitte nur hier: heft_bukarest@walcker.com Außerdem wird im Januar unsere nächste Hausmitteilung herausgebracht.

Über Costa Rica und seine Orgelwelt wird es hier bald einen nachklingenden Artikel geben, mit Musik und Bildern. Schließlich war dies für mich ein ungeheures Erlebnis. Und das mir gezeigt hat, wie tief die Bindungen dieser Multi-Kultur am Ende der Welt (der Bananen-und Kaffeepflücker)  doch nach Europa sind und wie groß das Interesse einiger Initialien auf eine breite Bevölkerungsschicht wirken kann. Die untersten Schichten, die man rund um die Catedral dort in San José trifft, das sind Menschen, die man hier in Mitteleuropa seit hunderten von Jahren nicht mehr gesehen hat. Bitterarm wie in den Bildern Breughels, und die wie in diesem bebilderten Mittelalter, ganz großen Bezug zu jener Kultur rund um die Kathedrale haben. Hier spürt man jenen "Albert-Schweitzer-Effekt", wieder an ursprüngliche Dinge zu rühren! Dazu gehört einfach die Distanz zu unserer Konsum-Zivilisation, die sich in der ästhetischen Rede zu erschöpfen scheint.

Wer sich allzu heftig an den "Spiegel" klammert, um seine Informationsgier zu Frieden zu stellen, dem  entgeht langfristig, dass dieses Magazin bis auf die Knochen dem heutigem Nihilismus ausgeliefert ist.  Das ist auch kein Wunder, da ja der Spiegel nur das Licht  zurückwerfen kann, das auf ihn auftrifft. "Der aufgeklärte Gott " von  Alexander Kissler, ein Buch eines Redakteurs der Süddeutschen, hat da schon ganz andere Qualitäten. Dieses Buch, das ich nun zum zweiten Mal lese, eröffnet, mit welcher Blindheit wir durch gegenwärtige mediale Verdummungsmechanismen am Glauben gehindert werden. (Glauben als Auseinandersetzung mit Religion, nicht als ein kritikloses Dahindämmern) ein jetlag-geplagter Nachtleser

NEWS from BLUE HALL STOCKHOLM Hello Gerhard! Thanks for your reply to my last e-mail message and for posting the links on your home page. I agree that these videos are of interest to many and that they are quite important as documentation of this unique instrument. The only public media coverage here in Sweden so far has been a brief five minute report in a music program on Swedish national radio. The organist Mats Ericson said that "This is an instrument of immense value to the Swedens musical- and cultural history".  

Mr Mark Venning, managing director of the Harrison & Harrison company, said that taking care of this instrument and bringing it back to life is a dream of 30 years coming true. "It's an enormously colourful organ, it's a very exciting sound, it's larger than life." He continued with saying: "The organ it not there to make money for the city, it is there for the citizens to enjoy, keeping it alive by using it". That may sound as an odd thing to say, but considering the unclear circumstances regarding the future of the instrument, and the peculiar position taken by the city officials, it's a rather powerful statement! 

When the head of the city council of Stockholm, Mr Bo Bladholm (conservative party), is asked how the instrument will be used in the future, he says "You can always rent the hall" but he doesn't say a word about any public concerts. Later all he talks about some kind of future cooperation with the directors of the Stockholm Concert Hall and the Berwald Hall, thereby once again stating that the City Hall is not prepared to arrange any recitals with admission for the general public. A rather strange thing to say considering the fact that the city spent well over € 2 million of the tax payers money on renovating the organ, but in line with the conservative position that no cultural arrangements should be for free. If you want it - you pay for it. If you can't pay for it yourself - find a sponsor. If you can't find a sponsor - forget it!

Mats Ericson had made plans with Olivier Latry (organist in Notre Dame de Paris) as well as with the Philharmonic Orchestra of Stockholm to arrange an organ festival, celebrating the restored organ. All arrangements would be free of charge and none of the participants asked for any financial compensation. But when the politicians of the city council found out about the plans, they refused to let the hall be used free of charge. They demanded full rent for each recital (from their own organist!). Since the fee for using the Blue Hall is rather substantial, it meant that all plans had to be called off.

 Let us hope that this doesn't lead to the same result as it has before, letting the organ fall into disrepair due to lack of proper use and proper maintenance. That would be a real shame. The organ was a gift to the city and to the citizens of Stockholm and Sweden by Mr Oscar Hirsch (who donated the money for the original Walcker organ). A gift is something you treat with respect, not something you use to make money or to make a political statement.

Here is another video with music from the re-inauguration of the organ in Stockholm City Hall on YouTube. Uploaded after the ones I mentionend in my last message. It's an improvisation over the tune "Frère Jacques" by Anders Bondeman.

http://www.youtube.com/watch?v=n9k2JBa2B-s&fmt=18

I'm also including a brief video from this years Nobel banquet. Don't know how long it will be up on YouTube since Svt (Swedish national TV) is constantly hounding for clips posted on YT and having them removed. The organ is played when the royal family enters with the Nobel laureates and the guests of honour. Unfortunately most of the music is completely ruined by the constantly babbling commentators, but at least it gives an idea of the setting. The music played is "Marche in C" by J.L.A. Lefébure-Wély. This piece has been used one time earlier in this context. It was in 1985 when the organ was introduced to the Nobel festivites for the first time ever. Mr Ericson (then organist in the Högalid Church in Stockholm) had spent years and countless hours of his spare time to try to make the organ sound again after the unfortunate rebuild (1969-72) and that devastating water leak that severealy damaged several of the sound boards. So I guess you can say  that this piece has become a symbol of resurrection.

 http://www.youtube.com/watch?v=PYmgR90XtvE&fmt=18

 Sincerely Stefan Lindström

 

15.Dez

Karthago führte drei Kriege, nach dem letzten wurde es nicht mehr aufgefunden..., nicht so unser Cartago, Costa Rica, das auch Ruinen beherbergt, verursacht von Erdbeben, aber auch gegenwärtig ein sehr vitales Leben führt. So haben wir hier insgesamt 3 spielbare Orgeln in der Stadt, davon zwei  von Walcker, die langfristig restauriert werden. In der Basilika steht das größte Instrument, das offensichtlich bald wieder überholt wird. siehe  hierzu unsere Beschreibung am Ende des Artikels

Catedral San José Heute war ein eindrucksvolles Konzert auf der reparierten Schyven-Orgel in der Catedral San José, in dem Jorge Alverado Bravo neben Aufführungen von JSB, ein großartiges Stück von Torres auf der richtigen Orgel servierte, und eine eigene Komposition für Orgel "Abstracción", das bei voller Kirche erhebliche Begeisterung unter den Hörern auslöste. Am Ende des Konzerts gab es auch auf der Orgelempore Beifall vom belgischen und deutschen Botschafter. Wir werden mit zwei Mann im Sommer/Herbst 2009 wieder in Costa Rica tätig sein. Insbesondere werden Pflegen hier durchgeführt und Reparaturarbeiten an Orgeln, die momentan noch unspielbar sind. Bei einem anschließenden Mittagessen wurde angeregt, eine gebrauchte Orgel aus Deutschland für die Musikschule und fürs Konservatorium herbeizubringen, um endlich Organisten hier im Lande auszubilden. All das wird in den nächsten Wochen und Monaten diskutiert werden. Alverado Bravo ist sehr interessiert an weiteren Unterrichtsmaterialien. Außerdem wird das Sommerfestival in Santa Ana mit einem Organisten aus Europa begleitet werden, was von uns noch weiter organisiert wird. "That was a great day for organmusic in Costa Rica" konstatierte Orlando Vega während unseres abschließenden Mittagessens, "and we are sure to continue this work". "Seit drei Wochen", so wurde ich von Frau Macay-Lehmann unterrichtet, "bringt der einzige Radiosender des Landes, der Klassische Musik im Programm hat, morgens nur noch Orgelmusik" - dies nennen wir Orgelbauer tatsächlich einen "Fortschritt" - fort vom seichten Latino-Gedudel - hin zur tiefgründigen, absoluten, geistigen Musik. Allerdings sollte man nicht alles ganz so streng puritistisch ernst nehmen. Fundamentalismus wird man überall finden, nur nicht hier in Zentralamerika -da gibt es nur eine feste Kombination: tutti-multi-culti.  In San José, einer Millionenstadt Central-Amerikas existieren gerade mal 3 Organisten die Gottesdienste begleiten können, davon kann nur einer Orgelkonzerte geben.    gwm kurz vor dem Abflug nach Miami - Europe, in der Hoffnung, dass diesmal unsere Klangaufnahmen brauchbar sind, um hier gezeigt zu werden.

 but listen to the last words from Orlando: ... I forgot to mention at the table, that at the end of the recital there was a man crying, seated next to me, he said he was very excited hearing the organ again... after many years of silence.  He said that he had forgotten the beauty of the sound and couldn't believe the instrument was going to be played again regularly.  Since I attended the recital after the Bansbach attempt to repair it, this is the first time I can hear the beauty of the voices and the nice blend of the instrument.  For me, it was a truly transcending experience. (...) OV

 

14.Dez

Die Walcker-Bansbach-Orgel in der Catedral zu Cartago, die alte Hauptstadt von Costa Rica, dürfte in den 30er Jahren gebaut worden sein. Ein kleines mechanisches Kegelladen- Örgelchen, das trotz widriger Umstände hervorragend funktioniert, allerdings klanglich einige Einbußen zu verzeichnet hat. Diese Orgel ist eigentlich der Beweis, dass  Kegelladenorgeln bestens geeignet sind in solchen Republicas bananas installiert zu werden, wo sie mit keiner nennenswerten Pflege zu rechnen haben.

 13.Dez

Die spätromantische Juan-Dourte-Orgel in San José, gebaut 1929 mit 30 Register auf III Manualen ist  in jedem Falle ein Instrument in vorderster Reihe, nicht nur unter den größten Orgeln, sondern auch der schönsten Orgelprospekte in Costa Rica. Ich konnte das Werk heute besichtigen und einen Blogeintrag mit Dispo und Bildaufzeichnungen vornehmen.

 

Ganzseitiger Artikel heute in der La Nación, mit Vorspann auf der Titelseite. Die meistaufgelegte Tageszeitung in Costa Rica mit ihrem Redakteur Pablo Fonseca hat sich sehr interessiert für die Orgelangelegenheiten des Landes gezeigt, und es ist mit ein Verdienst dieser Zeitung, dass hier im Lande nun gewaltige Bewegungen in Sachen Orgel entstanden sind.

 11.Dez

Die Mutin-Cavaillé-Coll-Orgel in San José ist schon ein bemerkenswertes Instrument, weswegen ich dieser Orgel einen separaten Blogeintrag gewidmet habe mit entsprechend vielen Bildern und Disposition. Das Bild links zeigt eine der legendären Cavaillé-Trompette-harmoniques. Wunderbare Kehlen, wie neu, mit stabilen, recht langen Stumpen zur Aufnahme der Becher.

Weitere Orgelprojekte in Costa Rica: insgesamt werden wir hier noch fünf weitere Orgelprojekte vorstellen, die vom nächsten Jahr an bis 2011 durchgeführt werden sollen. So das hier gezeigte schmucke Örgelchen von Walcker, Bj.1952 mit elektrischen Kegelladen, momentan unspielbar. Es soll im Oktober nächsten Jahres auf eine extra dafür gebaute Empore gestellt werden. Morgen werden wir die Cavaillé-Coll-Mutin Orgel aufnehmen. Dann folgen Besuche nach Cartago Basilika  + Catedral und eine Inspektion der Duarte-Orgel in San José, wo momentan die Kirche restauriert wird und die Einbindung dieser recht großen Orgel ins Restaurierungsprogramm diskutiert werden soll. Nicht zuletzt wird am Sonntag unsere Schyven-Orgel in der Catedral mit Gottesdienst und Konzert vorgestellt.  Also volles Programm inklusive Samstag und Sonntag bis zum Abflug am Dienstag. Presse und TV halten sich noch etwas zurück mit Berichterstattung über Orgelarbeiten. Denn Orgel, das hat man hier schnell erkannt,, das ist ein Thema für Weihnachten - da kommt's dann knüppel-tannen-dick.

09. Dez

Das Organistenproblem in San José hat sich wohl endgültig erledigt: ein hervorragend  aufspielender Jorge Alvarado Bravo, Costa Ricaner und Lehrer am hiesigen Konservatorium, hat hier heute in der Catedral in San José, gewissermaßen als Generalprobe, eine Glanzleistung an halbfertiger Orgel vollführt, die mich tief beeindruckt hat. Die Feier zur Jungfrau Maria, bei der neben dem Erzbischof Hugo Barrantes auch der päpstliche Nuntius und weitere 6 Priester aus den naheliegenden Gemeinden die Messe zelebrierten, wurde zur Generalprobe der Orgel. Drei Fernsehteams waren hoch zur Orgel gekommen und baten um Interviews. Am Abend zur Tagesschau wurden zwei Sendungen mit diesen Beiträgen gesendet. Wir haben einen Beitrag mit unserer Kamera aufgenommen und zeigen ihn in dem vorgestellten Video.

Was ein Orgelbauer wohl selten erlebt, ist, dass bei einem solchen Anlass, der Erzbischof seinen Dank dem "Orgelbauer Walcker aus Deutschland" vom Altar aus hinüberreicht zur Westempore, und vor versammelter Gemeinde aussprach, dass er glücklich über die durchgeführte Arbeit sei, was mit Beifall quittiert wurde.

Die Begeisterung in der Stadt über die neu erklingende Orgel ist ein erhebendes Gefühl, das man bei uns in dieser Form kaum noch finden kann, und an sich schon das erhebliche Risiko und die stressige  Arbeit, die dieser Auftrag mit sich brachte, schon ganz egal ausgleicht. So sind viele Freunde hier in Costa Rica wieder gewonnen und viele weitere Aussichten in Sachen "Orgel-Wiederherstellung" neu aufgerollt. Jetzt am Donnerstag erscheint ein großer Artikel in der "La Nación", der wieder neues Leben in unsere costaricanische Orgelbewegung einhauchen wird - und für morgen sind bereits zwei weitere Presseteams für die Orgeltribüne eingeplant. Nach Abschluss dieser Woche ist vorläufiges Ende in Costa Rica angesagt. Aber im nächsten Jahr, im Sommer geht es weiter - wie ich hoffe, mit einem gutgelaunten Willem Tanke, den ich für die Kulturwochen im Sommer und für eine kleine Konzertreise hier im Lande vorgeschlagen habe. hier also das Video aus San José

08. Dez

Equal goes it loose...(gleich geht´s los... - so unser ehemaliger Bundespräsident Heini Lübke zur Königin Elizabeth, in der Annahme er spräche English, aber immerhin mit putzmunterer Aufforderung) sagen wir zu allen Costa Ricanern, die auch kein English können, die aber Montag früh um 11Uhr den Gottesdienst mit Orgelmusik und kleinem Spiel in der Kathedrale zu San José lauschen werden. Am Abend  hoffe ich dann ein paar MP3-Stückchen aus dieser ersten Probe zeigen zu können - was dann in Deutschland erst am Dienstag morgen gehört werden kann.

San José am Sonntag, 07.Dez.08 gegen 12:00  von den Cerros de Cedral aus fotografiert. Costa Rica ist eben ein Land mit viel Sonne und viel Wolken

Klangaufnahmen und Bilder aus der Schyven-Orgel in Santo Domingo - auf aeolineBlog -das ist außerhalb San José im Bezirk Heredia und die zweite Schyven-Orgel hier in Costa Rica. Ebenfalls ein rein mechanisches Instrument, mit ca. 18 Register. Das muss ich noch rekonstruieren, weil auch hier erhebliche Extensionen sind, welch die echte Registeranzahl etwas verschleiern.

Eine wunderschöne Kirche hat uns heute morgen (wir haben hier noch Samstag, während es in Deutschland gerade 5:20 am Sonntag morgen wird) empfangen, bei herrlichstem Sonnenschein und bummeligen 28 Grad Celsius. Die Orgel hat funktioniert aber natürlich klangliche Mängel. Die Zungen sind völlig unspielbar. Dennoch konnte ich einige interessante Klangaufnahmen machen, besonders die Streicher sind schön, aber auch der Principal 8' - Montre 8'. Und natürlich eine feine Flûte harmonique 4' mit Extension 8', eine interessante Idee die Sub - bzw Superkoppel mechanisch zu realisieren, aber eben auf Kosten der Pfeifenstellung. Denn dadurch müssen die Töne zusammengefasst nebeneinander stehen, was ganz erheblich Schwierigkeiten wie Durchstecher und Stimmungsprobleme verursacht. Die Spanischen Reiter* auf Stöcken und Eicheschleifen sind fabrikmäßig vorgefertigt, während noch zusätzliche "Ausweichbohrungen" von fremder Hand eingefügt wurden. dispo_santodomingo.pdf

*es handelt sich hier um Fräsungen, welche das Zusammenstechen zweier benachbarter Bohrungen verhindern sollen, indem der Wind abgeleitet wird. Bei Ellerhorst (oder wars Töpfer) wird es noch als "übelster Pfusch bezeichnet, während es auch heute durchaus gebräuchlich ist, solcherlei Fräsungen in Holzschleifen bzw. Stöcke anzubringen. Werden aber kleinste Pfeifen neben großen Bohrungen gesetzt, so ist auch dieses Hilfsmittel langfristig unbrauchbar.

06.Dez.

Das war schon eine gewaltige Überraschung in unserer Schyven-Orgel eine durchschlagende Zunge zu finden.  Mit Sicherheit ist es noch niemandem aufgefallen, weil gerade dieses Register sehr mängelbehaftet ist und kaum Interesse findet, während die daneben liegende Clarinette schon großen Zuspruch findet - das aber ist eine Weikersheimer, die tatsächlich eines der schönsten Solostimmen in San José ist. Die nun hier auf unserem AeolineBlog vorgestellte, originale Schyven-Stimme ist das Cor anglais 8', ein sehr zurückhaltend intoniertes, durchschlagendes Zungenregister, das bisher noch nicht intoniert ist. Aber nun eben einmal mit verschiedenen Fotos hier vorgestellt wird.

 

Das Pedalpfeifenwerk der Schyven-Orgel habe ich nun auch auf unserem aeolineBlog aufbereitet. Ich denke, dass wir bald ein paar Klangproben folgen lassen können.

Der Erzbischof von San José, Hugo Barrantes, will sich unbedingt am kommenden Montag die Orgel ansehen und dazu ein ansprechendes kleines Privatkonzert hören. Wir sind gespannt, ob unser Organist, Jorge Alvarado Bravo, die richtigen Register ziehen wird.

ein feedback, das man gerne hört: Sehr geehrter Herr Walcker, ich bin vor drei Wochen über den Suchbegriff "Hans Henny Jahn" auf Ihre Webseite gestossen und bin begeistert von der Fülle an Informationen, die ich dort gefunden habe. Die Tiefe und Breite der Inhalte auf Ihrer Webseite ist einmalig und bevor ich zu meiner Frage komme, möchte ich Ihnen ganz herzlich für Ihre Arbeit und Ihr Engagement danken. Besonders begeistert war ich von den unzähligen Naturfotos, die eine besondere Beziehung zur Natur und ihrer Stofflichkeit ausdrücken. Vielen Dank auch dafür. (...)

04.Dez.

In ganz Costa Rica hat sich inzwischen die Reparatur der Schyven-Orgel in der Kathedrale herum gesprochen, und wir haben dort bereits vier weitere Anfragen, große Orgeln zu reparieren oder zu restaurieren. Das ist bei einem Land mit insgesamt 19 Orgeln eine  sehr hohe Erwartungshaltung. Wenn man dabei bedenkt, dass die beiden alten Walcker-Orgeln aus dem 19.JH da noch nicht eingerechnet sind, und es passt gut mit unseren weiteren Aktivitäten in Mittelamerika und nach Brasilien zusammen.

Pablo Fonseca, Redakteur der größten Tageszeitung des Landes, La Nacion, erzählt mir heute anlässlich eines Interviews für die nächste Samstagausgabe, dass sich ein großer Wandel im Lande in Sachen Orgelkultur seit 2007 entwickelt hat, der durch die Deutsch - Französische Kulturaktion ausgelöst wurde. Orgelkonzerte sind hier wieder gefragt, was Jahre vorher uninteressant war. Was hier in Costa Rica noch fehlt sind Organisten, die etwas europäisches Hintergrundwissen haben und einschlägige Orgelliteratur spielen können. Aber auch wenigstens ein ausgebildeter Orgelbauer, der gewissenhaften Service führen kann, fehlt. Das erste Problem stellt eine Möglichkeit für junge Europäer oder US-Organisten dar, sich mit diesem Land anzufreunden, das zweite wäre zu lösen, indem eine interessierte Person aus Costa Rica hier bei diesen anfallenden Arbeiten mithilft, um dann auch gründlich  theoretisch ausgebildet zu werden.  Hans Miller, 007JB, TresRios ist unsere offizielle Kontaktadresse für Costa Rica.  Es ist daran gedacht, möglichst bald eine spanisch-sprachige Internetseite zu verfassen und auf unsere Motivationen hier in Mittel- und Südamerika hinzuweisen.

 (Bild: visitors today, left Pablo Fonseca, right Juan, Hans Miller)

03.Dez.

Neues aus Costa Rica: hierzu haben wir die Schyven-Orgel und meine Berichte dazu auf unseren walcker-Blog verfrachtet mit neuen Erkenntnissen und weiteren Arbeits- und Studienergebnissen. Außerdem gibt es auf aeolineBlog einen Beitrag über die Bombarde 16' der Schyven-Orgel. Nochmals: es ist nicht in meinem Sinne, dem guten Ruf der Schyven-Orgeln einen Konter zu verpassen, sondern es ist eher als "theoretischer Verbesserungsvorschlag" gedacht. Ich bin vollständig davon überzeugt, dass dieses Instrument bei entsprechendem Reparaturaufwand eine hervorragende Konzertorgel wird - davon aber sind wir noch weit, weit entfernt.

 

Neues aus Bukarest: Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer,  war für ein Orgelkonzert in der Musikhochschule in Bukarest. Die Multiplex-Orgel von Walcker aus dem Jahre 1944 steht noch immer in der Musikhochschule und wurde sogar in Ordnung gebracht. Habe auch Fotos davon. Es stimmt also nicht, dass sie in die Orgel der evang. Kirche eingebaut wurde.  Habe auch die Orgel im Athenäum angesehen und gespielt. Gratuliere Ihnen zu dieser Leistung. Auch der Spieltisch ist schön, praktisch und übersichtlich. Auch Herr Sciopescu war dort, den ich seit 100 Jahren kenne. Herr Licaret hat mich für den 17. Februar mit einem Orgelabend eingeplant. Wie er mir auch sagte, wollen Sie um diese Zeit auch nach Bukarest kommen. Alles Gute und bis bald, Dr. Franz Metz

Schoene Gruesse aus Bukarest, Die Wahlergebnisse sind genau wie das Wetter hier, und zwar neblig. Die Sozis haben 36%, die Demokraten 30%, die Liberalen 20%, die Ungarn 6,7%. Kommt jetzt darauf an, wie die Koalition aussehen wird, alle Kombinationen sind moeglich. Uebrigens, Kulturminister Iorgulescu kommt von den Liberalen. Wie die naechste Regierung aussehen wird, das weiss kein Schwein.

Alles Gute, Alex Mihailescu

Einweihung der Alpirsbacher Winterhalter-Orgel: Hallo Herr Walcker-Mayer, Ja eine ganz andere, ruhige und stille Welt ist der Schwarzwald, ganz der Gegensatz zu den geschilderten Zuständen in Costa Rica. Ja wer fährt am Sonntagabend um 5 bei -2 Grad C schon mit geöffnetem Verdeck um die Klosterkirche in Alpirsbach, und läßt die Bässe wummern. Auch sind die Kirchentüren hierzulande Dicht - nun die Kälte soll ja auch draussen bleiben.

 Gestern war es dann so weit, die von Ihnen in der Bauphase beschriebene Orgel Ihres Kollegen Claudius Winterhalter wurde gestern feierlich eingeweiht. Ganz fertig ist sie allerdings noch nicht, es fehlt die eine oder andere Stimme. Aber man konnte sehen und hören, dass dort etwas besonderes entstanden ist. Nein keine laute Orgel, die vielleicht für Costa Rica erforderlich wäre - im Gegenteil ein sehr subtiles Instrument mit einer Fülle herrlicher Einzelstimmen und einem (zwar noch nicht ganz fertigen) Plenum, das wie Samt und Seide ist. Da knattert keine MG-Posaune hervor, die geht ganz sanft in die Grundstimmen ein. Keine Schreihalsmixtur, die alleine das Plenum überjubelt. Und wer denkt oh da sind ja spanische Trumpets - weit gefehlt eher spanische Flöten - gibt es nicht oft denke ich.

 Zunächst rekapituliert man vielleicht an die Entstehung des Gehäuses: Da kommt doch bestimmt der Nachhall der Motorsäge heraus. Weit gefehlt. Eine angenehm klingende, nie den Hörer überfordernde sinnliche Klanglichkeit, die einen da umspielt. Eher das Aufgreifen klösterlicher Ruhe und Besinnung als das gewohnte marktschreierische Getute nachgebauter CC-Orgeln. Räume können durchaus inspirieren denke ich.

 Wirklich hörenswert. Ich bin gespannt wie das Pfeifenensemble klingen wird, wenn dann noch der Glitzer eines Scharf und die Kraft eines Clairons mitspielen, das Kornet noch Farbe dazu gibt. Durchaus nochmals eine Fahrt dann zur fertigen Orgel wert. Aber Einweihungstermine sind lange fest - und nehmen keine Rücksicht auf tatsächliche Gegebenheiten. Man hat in Alpirsbach jedoch das beste draus gemacht, dank Jürgen Essl, der sich bestens im Einweihungskonzert eingebracht hat, bei vollbesezter Kirche. Allerdings wäre es der Gag gewesen, Orgel samt Organisten aus der Ecke zu Beginn des Konzerts hereinfahren zu lassen. Wäre zwar kitschig gewesen aber die Hörer hätten noch etwas von der zusätzlichen "Dynamik" dieser Orgel im wahrsten Sinne erleben können. Liebe Grüße aus der Stille des weniger Wilden Südwestens, der aber dafür um so kälter ist.

 Ihr Holger Fett

siehe hierzu auch unseren Beitrag Chainsaw.pdf

29.Nov

Keine Frage ist, dass es hier in Costa Rica ein Organistenproblem gibt. Weit mehr aber stört mich der Umstand, dass hier ein Krach in der Kathedrale herrscht, der jeden deutschen Hauptbahnhof an Dezibel locker übertrumpft. Man meint während der Messe, es fährt ein aufgedrehtes Radio quer durch die Kirche. Weil nicht nur die satten Bässe aller PKW's lustig und fidel, bei rotgeschalteter Ampel ins Kircheninnere geblasen werden, sondern brav auch alle Sirenen, Hupkonzerte und das Geschrei der Losverkäufer ihren Eingang ins "Spirituelle" finden. Und hier nun also Gamben und Salicionale zu intonieren, das käme einer Schweigeminute vor laufender Airbusturbine gleich.

Nachdem nun die Belgier ihre Organistenzusage zurückgezogen haben, war die Frage des Organisten kurz akut geworden, wobei ich meinte: "Ihr habt doch da bei der gestrigen Messe so einen Schlangenbeschwörer installiert, der hat doch ganz gut gegen die Polizeisirenen Paroli geboten. Zwar hat das Mikro rückgekoppelt ordentlich gepfiffen, vielleicht etwas von der Aura der Predigt geschnitten, aber irgendwie bekam man neben weichen Füßen auch ganz herben synthetischen, metaphysischen Eindruck". Nochmals: Keine Frage, erst kurz vor vollständiger Taubheit wird man diese Kathedrale als einen Ort der Besinnung und Stille erfahren dürfen, und besonders die Orgel mit seinen "weikersheimer Schalmeien" und "feinen, stillen Dolcen" erahnen können. Ludwig lässt grüßen. Oh!, wie muss der Tod herrlich still und ewig ruhig sein. (gwm - kurz vor dem Einschlafen, bei laufendem, bellendem Hund in Nachbars Garten, und ohhh! wie schön ist's doch wieder an Bukarest gemahnt zu werden, eine Alarmanlage pfeift sich langsam warm...)

27.Nov

Leichen im Keller, sprich im Pfeifenwerk, finden sich in mittel-und südamerikanischen Orgeln genügend. Allerdings bin ich noch nicht mit einem solchen Exemplar, wie hier gezeigt, konfrontiert worden. Es handelt sich um das C der Oktave 4' im II.Manual - sehr schön beschriftet mit Montre 8' C, Costa Rica.

Wiedereinweihungsfeier mit Orgelkonzert am 14.Dez.08 in der Kathedrale von San José. Das Instrument wird in einem Gottesdienst am Sonntag, den 14. Dezember um 10Uhr30 wieder in Betrieb genommen und nach der Messe mit einem Konzert dem Publikum vorgestellt. Noch sind fast drei Wochen  intensivste  Arbeiten zu verrichten, und wer meint, man liege ganz behäbig am karibischen Strand und nipple bedächtig an den verschiedenen Abarten von Tequila Sunrise Longdrinks, den kann ich beruhigen: es ist schwieriger als erwartet. Morgens Stau, eine Stunde Zähfliessender. Abends Stau, ebenso. Tagsüber: der ganze Krach der Stadt versammelt sich in der Kathedrale, als sei "Lärm" ein katholischer Heiliger. Zum Mittagessen, noch mehr Krach.  Nur hoch über den Bergen, dort wo immer die Wolken tief hängen, da ist es still, da kommen wir nur sonntags hin.

Sehr empfehlenswert sind nach Ansicht eines us-amerikanischen Orgelprofessors unsere beiden Artikel "Zurück in die Zukunft der Orgel" und "Reger-Ligeti". Über Letzteren habe er sich halb tot gelacht, auch deswegen, weil man schon sehr respektlos Orgelmusik hören muss, um so etwas Verdrehtes schreiben zu können. Wie ich meine, sollte Orgelmusik nie geradlinig romantisch gehört werden, immer ironisch. So kann die Orgel, wie die Geliebte, nie tief sein, weil sie letztendlich der  G r u n d  ist.

25.Nov

The Walcker-organ in Stockholm City Hall  on videos on YouTube. Since the inauguration wasn't open to the public, they are the only known audio-visual documentation of the refurbished organ available so far. So I thought that I should send the links to you in case you are interested. Improvisation at Stockholm City Hall

http://www.youtube.com/watch?v=rphQRrNho5M&fmt=18

(Not sure how this recording was made but I suppose it was done by someone in the audience with a hidden recording device. Pictures where added later to make a slide show to the music.)Some very short clips. Probably shot with a simple cam (although with stereo sound) right before or after the inauguration. They give a visual impression of the hall and the new console. Note the unusal seating arrangement.

Toccata - Live at Stadshuset in Stockholm - I

http://www.youtube.com/watch?v=bH9BtYNH1uc&fmt=18

Toccata - Live at Stadshuset in Stockholm - II

http://www.youtube.com/watch?v=JsAyzm1969E&fmt=18

 Toccata - Live at Stadshuset in Stockholm - III

http://www.youtube.com/watch?v=9b42PV6quCY&fmt=18

I'm sorry for not being able to write in German, but I hope you can understand me anyway.

Sincerely Stefan Lindström

 

Neuerscheinung zum 100. Geburtstag von Olivier Messiaen am 10. Dezember 2008 "Zur Orgelmusik Olivier Messiaens Teil 2, von der Messe de la Pentecôte bis zum Livre Du Saint Sacrement, Herausgegeben von Hermann J. Busch & Michael Heinemann, Mit Beiträgen von: Michael Heinemann, Hermann J. Busch, Reimund Böhmig, Burkhard Meischein, Paul Thissen und Lydia Weißgerber. Best.-Nr.: BuB 09  -  ISBN 978-3-928412-09-4, 248 S. / 19,00 €, Butz-Verlag,  Pünktlich zum 100. Geburtstag des Komponisten Olivier Messiaen am 10. Dezember 2008 erscheint Teil II der Reihe „Zur Orgelmusik Olivier Messiaens“, der wertvolle Beiträge zu den nach dem zweiten Weltkrieg entstandenen Orgelwerken enthält. Neben der Beleuchtung der kompositorischen Entwicklung Messiaens nach 1950 und der ausführlichen Kommentierung einzelner Werke enthält der Band Texte, in denen Messiaen selbst auf kompositorische Details seiner Werke sowie auf die theologische Dimension seiner Musik Bezug nimmt. Die Ausgabe folgt in Aufbau und Konzeption dem bereits im Frühjahr erschienenen ersten Teil der Reihe, der sich mit den vor 1950 verfassten Orgelwerken auseinandersetzt.

 

ein Brief aus CA über Europa und den Rest der Orgelwelt: Sehr geehrter Herr D. , (..) Ich habe mich lange mit meinem zeitweiligen Kampfgenossen Claudius Winterhalter auseinander gesetzt, der ja als einziger Orgelbauer im Süden noch wirklich kreative Sachen macht. Diese Kraft und Zeit in Sachen Mikrokosmos Deutschland habe ich nicht und ich will mich auch nicht mehr mit diesen Oberlehrern, die mit ihren drei Orgelstücken aufglänzen wollen, aber ansonsten ein trostloser Haufen Dummköpfe sind, herumschlagen.

Die Dortmunder Walcker-Orgel wird, wenn wir sehr viel Glück haben, vielleicht aus politischen Gründen unter Denkmalschutz gestellt. Aber Sie können sicher sein, dass jeder Verantwortliche dann dort, einen riesigen Bogen um mich machen wird, da ich ja das veranlasst habe, also das Querfeuer gelegt habe. Das haben mich bereits mehrere Leute wissen lassen – und es ist mir gleichgültig. Diese Orgel zu erhalten war einfach ein Gebot der Stunde – wie auch die Villa Bergsche Orgel, wo man ja immer noch in der Hinterhand mit einer Verschiebung in andere Häuser spielt.  (...)

Ich habe die  Mühleisen in Stgtt-Stiftskirche einmal live gehört und ein paarmal über verschiedene Aufnahmen. Es gibt meiner Meinung nach nicht die richtige Orgel, oder die falsche. Sondern, das ist meine Erfahrung der letzten Jahre, es gibt Instrumente die zu bestimmten Zeiten ganz bestimmte Wirkungen haben. Das ist wahrscheinlich das Geheimnis aller Esoterik. Wenn wir zur falschen Zeit eine gute Orgel hören, oder umgekehrt eine schlechte Orgel zur richtigen Zeit, entstehen eine Art Dämpfungsmomente, die wir meist nicht richtig deuten können. Ist aber der sagenhafte scheinbar „zufällige“ Moment der richtige und auch die Orgel, dann haben wir ein ungeheures, tiefes Erlebnis, an das wir immer wieder zurückkehren, und das uns als Messlatte für andere Erlebnisse dient. Daher will ich sagen, dass wahrscheinlich sehr viele Orgeln aus den 60er Jahren nur ihre Berechtigung in dieser Zeit gehabt haben. In der heutigen Zeit ist es daher angebracht, einige dieser wichtigen Orgeln zu halten, auch wenn wir nicht mehr dieses Initialerlebnis mit diesen Instrumenten finden können. Dies ist der schwierige Prozess der mit historischer Wirklichkeitsfindung zusammen hängt und den diese Orgeltröpfe rund um den jämmerlichen Zustand der heutigen Kirchen nicht finden können. Weil sie eben in einer Kirchenroutine hängen geblieben sind  und einer Auseinandersetzung mit der Geschichte gar nicht mehr gewachsen sind. (Man muss ja nur beobachten mit welch niedrigen Auflagen wirkliche Spitzenbücher der Orgelgeschichte, wie das von Dr. Markus Zepf, über die Praetoriusorgel, verkauft werden - und die überhaupt nicht im armseligen ARM ORGANI diskutiert werden)

Was Sie über die Registrierungskünste von Isoir sagen, das ist genau der Punkt. Jene Organisten sind eben außerhalb dieser Routine zu finden, es sind Künstler und frei denkende Menschen, denen es geradezu ein Bedürfnis ist, aus einem Instrument alle Feinheiten herauszuholen, während der Orgelsachverständige als Bürokrat, gerade alle Freiheiten hasst, weil sie ihm seine fertig vorliegenden Schematas kaputt schlagen.

Ihnen und Ihrem Sohn wünsche ich, dass Sie weiterhin viele Orgeln finden, die Ihnen Freude bereiten, das ist doch letztlich das Wichtigste. Alles auf die Orgel hinzu Produzierte, alles künstlich drauf Geladene, alles dieses Geschwätz und die von persönlichem Interesse geleitete Dialektik rund um die Orgel, alles das soll bei einem schönen Orgelkonzert außen vor bleiben -  dann haben wir einen Schritt wieder getan zu einer ideal daher schreitenden Königin.

Mit bestem Gruß

Ihr Gerhard Walcker-Mayer

 

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