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eingefuegt am 25.12.2006

 

Die Spanische Orgel v. 16. bis 18. Jahrhundert

in Stichworten - in 40 Orgelbildern - in 2 Grunddispositionen

gekürzte und auf Internetmedium abgestimmte Fassung

von gwm / 7.Aug.2003

In den großen spanischen Domkirchen hat das Kapitel seit dem Mittelalter seinen Platz im "Coro“, wo sich auf Evangelien- und Epistelseite  zwei Orgel gegenüberstehen, die bei großen Kathedralen, wie in Sevilla, sogar noch mit zwei Prospektfassaden, und die sehr kunstvoll geschnitzt sind, ausgestattet sind. (Grundriss spanische Orgelanlage wie Sevilla)

Im 15 Jahrhundert gibt es in Spanien hauptsächlich einmanualige Werke, aber auch schon zweimanualige – dies ist eine Parallele zum altitalienischen Orgelbau. Der spanische Orgelbau kennt wie der französische bis 1800 im äußersten Fall 5manualige Orgeln und dürfte von 1550 bis etwa 1650 führend in Europa gewesen sein.

Das Rückpositiv ist von 1500 bis 19.Jahrhundert in Spanien nachzuweisen. Brustwerk ist unbekannt (von einer Arp Schnitger-Orgel in Faro Portugal abgesehen), dafür kennt man Unterwerke, die von Stechern angespielt werden. Dies stellt dann später das Echowerk und in Folge das Schwellwerk dar. In Spanien gibt es schon im beginnenden 18 Jahrhundert Schwellwerke.

Durch den Coro bedingt gibt es in Spanien die Hinterwerke, welche ins Seitenschiff absprechen mit eigenem Prospekt. Spezialität sind die vor den Hinterwerken gesetzten Rückpositive wie auf Fotos Sevilla erkennbar.

Das Pedalwerk spielt in Spanien untergeordnete Rolle. Auch bei großen Orgeln ist das Pedal nur mit 2-3 Registern besetzt. In Sevilla und Toledo aber gibt es die Vorläufer der von EFW kreiirten Doppelpedale, wo Gebrauch verschiedener Pedalregistrierungen gestattet ist.

Die Horizontalzungen sind ein spanisches Charakteristikum. Ein Phänomen, welches um 1700 plötzlich auf der ganzen iberischen Halbinsel auftrat. Wahrscheinlich ist der durch den Coro bedingte Platzmangel in den spanischen Orgeln dafür verantwortlich, dass man diese Zungen nach außen gelegt hat.

Der Spielschrank der spanischen Orgeln ist durch eine große Anzahl an Registerzügen charakterisiert, was durch die konsequent angewandte Trennung der Schleifen in Baß - und Diskant bei h0/c1( oder c1/cis1) verursacht wird. Seitliche oder freistehende Spieltische kommen in Spanien erst ab dem 19.Jahrhundert vor.

Spanische Orgeln des 17. und 18. Jahrhunderts sind ausschließlich Schleifladenorgeln. Die Windladen sind extrem klein gefertigt, mit langen Ventilen und sehr kurzen Trakturen. Auf einer Windlade von 1,9m x 1,4m in Salamanca stehen 21 Register. Und dies ist nur deshalb möglich, weil eine große Zahl an Pfeifen über kurioseste Verführungen herausgesetzt sind. Von den 21 Registern der genannten Orgel stehen 7 komplette Register in der Front. Grundsätzlich liegt das Ventil nahe der Klaviatur. Auch beim Pedal sind es oft nur wenige Zentimeter Traktur, hingegen bis zu 10 m lange Kondukten.

Ganz klar, dass eine schöne spritzige Spielart einer weniger schönen Pfeifenansprache und mässigen Windverhältnissen gegenüberstand.

Die spanischen Orgeln sind mit anderen Registernamen versehen, und bis ins 16.Jahrhundert waren der palm (1 palm = 28,5cm) anstelle Fuß gebräuchlich. Aber in der Regel sind die Orgeln mit kompletten Prinzipalaufbauten inclusive Quinten und Terzen . Neben Eng- und Weitchorstimmen ist meist eine größere Zahl an Solostimmen, Querflöten und Kornette, diese aber oft nur im Diskant vorhanden. Repetierende Mixturen enthalten oft eine Terz. Sehr reich besetzt sind die vertikalen und horizontalen Zungenstimmen, welche immer in Baß – und Diskant geteilt sind. Wegen dem angesprochenen Platz - und Windmangel sind die Mensuren in den tiefen Lagen recht eng. Ein richtiges spanisches Tutti ist ohne Zungenbatterie undenkbar.

Wir haben zwei Musterdispositionen mit deutscher Erläuterung eingebracht. Darunter ein einmanualiges Instrument und ein dreimanualiges, was alle wesentlichen Registernamen enthält, und wir denken, dass die Logik mit Baß- und Diskanttrennung sehr interessant und weiterentwickelbar ist.

 

Orgelbilder und Dispositionen

(bei Click auf den Hyperlink wird ein Bild der Orgel in bildschirmgerechter Auflösung 800/600 geladen)

1

Granada, Kathedrale, Südorgel von 1747, Fassade zum Seitenschiff

 

2

Cordoba, Mezquita, maurische Architektur und Orgel um 1800

 

3

Salamanca, Neue Kathedrale, Nordorgel und Vierungskuppel

 

4

Salamanca, Neue Kathedrale, Kunstgitter des Coro und Blick auf die Orgel in Richtung Nordwest (siehe Grundriss Orgelaufstellung)

Diese Aufstellung ist identisch mit Sevilla uva.. Wir sehen links eine Rückseite einer Orgel , rechts die Hauptseite zum Coro

5

Segovia, Kathedrale, Chorfassade der Evangelienorgel von 1769

Hier erkennbar, dass Vorder- und Rückseite mit gleich großem Aufwand gestaltet wurden

6

Segovia, Kathedrale, Rückseite der Evangelienorgel von 1769

7

Toledo, Kathedrale, Kaiserorgel von Juan Gaytan 1549

 

8

Orihuela, Kathedrale, Orgel um 1730

 

Mit Rückpositiv

9

Burgos, Kathedrale, Capilla del Condestable, Gaspar de Soto 1615

 

10

Madrid, Palacio Real, Orgel von Davila und Jorge Bosch , 1778

Disposition dieser Orgel mit Erläuterungen am Schluß der Liste

Schöne Ansicht der zwei Registerstaffeleien rechts und links der Manuale und einer klassischen Trompeteria

11

El Escorial, Chororgel im Coro alto, 1586

 

Mit Rückpositiv in herrlichem Renaissancegehäuse

12

Lorenzana, Klosterkirche, Evangelienorgel

 

Dieser Orgel steht ein nahezu gleiches Instrument auf der Epistelseite gegenüber, ebenfalls einmanualig,

13

Ciudad Rodrigo, Kathedrale, Evangelienorgel mit Blasbälgen, 1727

Bild mit Disposition und Erläuterungen

14

Tarragona, Kathedrale, Orgel mit Rückpositiv, 1563

 

15

Faro, Portugal, Kathedrale, Schnitger- Orgel mit Rückpositiv nach norddeutscher Art, 1716

 

16

Lugo, Kathedrale, Unterwerk der Orgel und Spielanlage

Auf diesem Bild kann man sehr gut die Spieltischgestaltung studieren

17

Toledo, Kathedrale, nördliche Chororgel von 1797,

 

Ansicht Rückseite und Hinterwerk

18

Malaga, Kathedrale, Rückansicht Nordorgel von 1782

 

19

Malaga, Kathedrale, Vorderansicht Nordorgel von 1782

 

20

Zaragoza, La Seo, Orgel des 15.Jahrhunderts

 

 

21

Cuenza, Kathedrale, Orgel um 1720

 

 


 

22

Burgos, Kathedrale, Südorgel von 1636

Zweimanualige Orgel mit riesigem Flächenprospekt

23

Huesca, Kathedrale, Epistelorgel mit Holzpfeifenprospekt des Pedals

 

24

Granada, Kathedrale, Chorseite der Südorgel von 1747

 

25

Granada, Kathedrale, Rückseite der Südorgel von 1747

 

26

Toledo, Kathedrale, Chorfassade der Südorgel

 

 

27

Zaragoza, La Seo, Chorfassade der Chororgel

 

 

28

Zaragoza, San Pablo, Orgel des frühen 15. Jahrhunderts

 

29

Tarragona, Kathedrale, Orgel von 1563

 

 

30

El Escorial, Orgel im Querhaus von 1584

 

 

31

Salamanca, Neue Kathedrale, Orgel von 1558

 

 

32

Palencia, Kathedrale, Orgel um 1700

 

 

33

Cordoba, Mezquita, Orgel um 1650

 

 

34

Santiago de Compostela, Kathedrale, Orgel von etwa 1715

Das Ziel aller Jakobs-Pilger ist diese Kathedrale

35

Sevilla, Kathedrale, Orgel von 1724

Die drittgrößte Kathedrale der Welt (nach Rom und London)

36

Mondonedo, Kathedrale, Epistelorgel um 1730

 

 

37

Mondonedo, Kathedrale, Evangelienorgel

 

 

38

Salamanca, Neue Kathedrale, Fassade zum Seitenschiff

 

39

Salamanca, Neue Kathedrale, Fassade zum Coro, selbe Orgel von 1744

 

 Download der kompletten Bild+ Textfassung

 

MADRID – Orgel der Kapelle des Palacio Real

Baujahr  1778, Davila, später Jorge Bosch

 

Bassseite

Diskantseite

 

 

 

 

 

 

Nr

spanische Bez.

deutsche Bez

Nr.

spanische Bez.

deutsch

Hauptwerk III.Man. C-c1

 

Hauptwerk III.Man. cs1-d3

1

Flautado de 26

Prinz. 16

1

Flautade de 26

 

2

Violon de 26

Violon 16

2

Violon de 26

 

3

Flautado de13

Prinz 8’

3

Flautado de 13

 

4

Violon

Violon 8’

4

Violon

 

 

 

 

5

Flauta dulce (Holz 2f)

Liebl. Flöte 8’

5

Octava

Oktave 4’

6

Octava

 

6

Tapadillo

Kleingedackt 4’

7

Tapadillo

 

7

Docena y Quincena

2 2/3’ + 2’

8

Docena y Quincena

 

8

Lleno 5 fach

Mixtur 5fach

9

Lleno 5fach

 

9

Nazardos 4fach

Kornett 4fach

 

 

 

 

 

 

10

Corneta 6fach

 

10

Cornett Tolosana 3fach

Kornett 3fach

11

Corneta Tolosana 3fach

 

 

 

 

12

Trompete de 52

Trompete 32’

11

Trompeta real

Trompete 8’

13

Trompeta real

 

12

Orlos de 26

Kurzbechrige Zunge  16’

14

Orlos de 26

 

13

Fagot

Fagott 16’

15

Obue

Oboe 8’

 

Zungen außen

 

 

 

 

 

 

16

Trompeta magna

Trompete 16’

14

Clarin bajo ab F

BassClarin 8’

17

Clarin

Clarin 8’

 

 

 

18

Clarin

Clarin 8’

15

Chirimia

Schalmey 4’

19

Chirimia alta

Schalmay 4’

16

Violeta

Regal 2’

 

 

 

17

Orlos

Orlos 8’

20

Orlos

Orlos 8’

18

Viejos

kurzbechr. 8’ männlich Gesang

21

Viejas

kurzbechr. 8’

weiblich Gesang

Oberwerk II.Man. C-c1

Oberwerk II.Man. cs1-d3

19

Flautado de 13

Prinz 8’

22

Flautado de 13

 

20

Flautado Violon

Violon 8’

23

Flautado Vilon

 

 

 

 

24

Flauta traversa (Holz 2f.)

Querflöte

21

Tapadillo

Kleinged. 4’

25

Tapadillo

 

22

Nazardos 3f.

Kornett 3f.

26

Corneta 6f.

 

23

Lleno 3fach

Mixtur 3f.

27

Lleno 3fach

 

24

Zimbala 3fach

Zimbel 3fach

28

Zimbala 3fach

 

 

 

 

29

Trompeta magna

Tromp. 16’

25

Trompeta real

Trompete 8’

30

Trompeta real

Tromp. 8’

26.

Bajoncillo

kleines Fagott 4’

 

 

 

 

 

 

31

Clarin

Clarin 8’

 

 

 

32

Chirimia alta

Schalmay 4’

27

Voz humana en Ecos

Vox humana 8’

33

Voz humana en Ecos

Vox h. 8’

Schwellwerk I.Man. C-c1

Schwellwerk II.Man. cs1-d3

28

Violon

Violon 8’

34

Violon

 

29

Tapadillo

Kleingedeckt 4’

35

Tapadillo

 

30

Quincena

Oktav 2’

36

Quincena

 

31

Nazardos 3fach

Cornett 3fach

 

 

 

 

 

 

37

Corneta 4fach

 

 

 

 

38

Octava de Corneta

 

32

Lleno 3fach

Mixtur 3fach

39

Lleno 3fach

 

33

Trompeta real

Trompete 8’

40

Trompeta real

Trompete 8’

 

 

 

41

Tiroba en Ecos

kurzbechr. 16’ Zungenstimme

34

Voz humana a la Francesa

Vox humana 8’

42

Voz humana a la Francesa

 

 

Pedal

 

 

 

 

 

12 Tasten mit offenen 16’, kombiniert mit gedeckter Quint 10 2/3’, ohne Registerzug

2 Pedaltasten für Tambor und Timbal (Trommel, Schelle)

 

 

 

 

 

 

  

Alles Wesentliche wurde gesagt von Rudolf Reuter “ Orgeln in Spanien – Baerenreiter 1986“

 

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