Im Jahre 1931 wurde eine Orgel aus dem
Konsulatsjahr des
Modestus und Probus (228n.Chr.) in Aquincum in der Nähe Budapests gefunden.
Eine Steininschrift belegte Aquincum mit dem Attribut "Colonia splendidissima".
Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn auch das kulturelle Leben dort
damals auf einem hohen Niveau stattfand.Diese Orgel
in Aquincum ist das einzige Instrument aus der Antike, von der so
viele Teile gefunden wurde, dass daraus eine Rekonstruktion gebaut werden
konnte. Das Instrument wurde im Jahr 228 von dem Ratsherrn Gaius Julius
Viatorius dem Feuerwehrverein geschenkt. Im Jahre 294 fiel dann die ganze
Siedlung einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Leder- und Holzteile der Orgel
verbrannten, die übrig gebliebenen Metallteile wurden von Prof. Lajos Nagy
gefunden. In den 1930Jahren wurde von Angster Pécs eine Rekonstruktion
gebaut. Die Klangwiedergabe stammt von diesem Instrument, das ganz unten
dargestellt ist.
Von Oscar Walcker und später von meinem Vater Werner
Walcker-Mayer wurden die dort in Aquincum gefundenen Orgelfragmente
akribisch untersucht und es wurden mehrere Rekonstruktionen gebaut, die
heute in verschiedenen Museen stehen. Und diese Rekonstruktionen können, das
ist das Besondere, für die Musikdarstellung dieser Zeit herangezogen werden.
Interessant ist natürlich auch die Darstellung der griechischen Musik, aus
der heraus ja das Instrument ursprünglich stammt.
Bei den Römern wurde die Orgel für profane Zwecke
eingesetzt, so auch, wie es die obige Titel- Darstellung zeigt, als
Begleitung zu Gladiatorenkämpfen.
Die hier angebotene Musik stellt etwas anderes dar: wir
hören die Orgel in phrygischer Tonart, wir hören sie mit in
altgriechischer Sprache vorgetragenem Gesang, die erste delphische
Hymne, und wir hören eine der wenigen Melodien, die aus der Antike
überhaupt erhalten ist, das Lied des Seikilos. Es lautet: "Freu dich
des Lebens, solange Du lebst, und banne den Schmerz, Dein Leben ist kurz: Im
Schoße des Chronos liegt Deine Vergänglichkeit.."
Hier also bläst uns eine über 2000 Jahre alte Kultur an,
etwas Ferners und Fremdes werden wir so schnell nie mehr hören, und dazu ist
dieser Vorläufer unserer Orgel eine echte "Schleifladenorgel", wie man auf
der Schnitt-Zeichnung erkennen kann. (gwm)