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ein
Reisebericht |
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Lust
auf Berlin
damit wollen wir nicht unbedingt auf Ariadne
von Schirach's Buch "Tanz um die Lust" aufmerksam machen, die meint, eine
ganze Generation junger Männer säße mit "heruntergelassenen Hosen" vor dem
Computer und onaniere "bis zum Tennisarm". Frauen fänden deswegen keinen
Sexpartner mehr in der realen Welt..... denn hier, nachfolgend eine reale
Geschichte aus einem realen Berlin und das auch noch mit Lust
geschrieben. |

Hony-Gotik am Alex
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Altes Museum |
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Dort, wo der Protestantismus unter
Denkmalschutz steht - und dort, wo man beim Betreten des Wahrzeichens jenes Protestantismus, dem Berliner Dom,
um Eintrittsgeld gebeten wird - dort eben, in
dem nun touristisch aufepäppelten Berlin, in den ersten Frühlingstagen Lust
zu bekommen, fällt nicht schwer. Und es fallen einem all die Widersprüche
der Stadt so kontrastreich in die Augen, über die die Berliner eben so geistreich zu
diskutieren bereit sind, in der U-Bahn, am Tresen, beim Abendessen, wie sie
bereit sind, sie des Lebens und der Lust willen zu ignorieren. Eine
lebenslustige Stadt also, ganz anders als Wien, wo der Tod die erste Geige
spielt. Damit reiht sich Berlin eher in die romanisch geprägte Welt ein, wie
Italien oder Frankreich, wo man Jugend, Schönheit und Eleganz anbetet.
Weisheit und Altersmilde, wenn sie denn kommen, sind sie späte Gäste. |
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Berlin umfassend beschreiben zu wollen,
wichtiger Kommentar sein zu wollen, zu
einer kleineren Orgelarbeit, das wäre vermessen. Berlin versteht man nur,
wenn man sich eine Singularität schnappt, eine Muschel oder einen Käfer, und
das dann unters Mikroskop legt, um es tausendfach vergrößert oder vergröbert
zu betrachten. Daher beschränke ich mich auf drei Scherben, die ich aus dem
großen Glasscherbenhaufen "Berlin" herausgebrochen habe: Berliner Dom mit
Orgel, das Musikinstrumentenmuseum im Kulturforum (nahe Potsdamer Platz, in
dem Walcker zwei Orgeln eingebaut hat) und unsere jetzige Orgelarbeit (die
Umstellung eines kleinen Serienpositivs von Wannsee nach Schöneberg). |

Rotunde im Alten Museum mit antiken Götterstatuen |
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Einleitung |
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Allgegenwärtig in Berlin ist der Döner, der
Gemüse- und Obsthändler, der Bäcker, der morgens um 4 Uhr öffnet und frische
Brötchen liefert, das argentinische Steakhouse mit Preisen der 80er Jahre,
die Currywurst, alles fest und unzweideutig in türkischer Hand.
Also Dienstleister erster Bedürfnisse konträr
unseres christlichen tausend Jahre alten Kulturanspruches. Ich weiß nicht, ob man es so richtig denkt, aber wir
finden in Berlin kaum eine Auseinandersetzung zu diesem Thema. Die Kirchen
werden eben leerer und leerer, die Kontraste zu fremdländischen Einflüssen
werden verschliffen und damit stumpfer. Unter Kulturarbeit stellt man sich in der Regel
Sozialarbeit vor.
An die mittelalterlichen "roots" erinnert man sich eben so
wenig wie an die Straßenkämpfe zwischen SA und Kommunisten in den späten
Zwanzigern. Die werden allerdings von allen möglichen Museen und
Ausstellungen immer wieder mal dramatisch vorgeführt, so dass man etwas
"Stephen King" live spüren kann: "das ist hier tatsächlich passiert!"
Oder man hört's "Adölfle" richtig bös brüllen im DEUTSCHEN HISTORISCHEN
MUSEUM, in der ständigen Ausstellung im Zeughaus. Kann sich an
der Goebbels Schnauze erfreuen, und die Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen
lachen, weil's doch zu lustig ist, diese totale "Kriegsscheisse". Oder
wie man jetzt wieder von unserem Massenglotzmedium No.1 hören konnte, waren
die Zugriffszahlen zu der "Flucht" wieder dramatisch hoch
- nichtsahnend, dass auch dieses "Geglotze" eine totale Flucht
sein kann.
Deutschland als Einwanderungsland hat sich in Berlin, wenn man
von den extremen Erscheinungen wie Rütli-Schule absieht, fast bewährt.
Gefallen kann einem dieses Berlin nicht, das einem globalen "multi-kulti-Stil"
huldigt, postmodern und beliebig, mit schönen Aushängeschildern, wie zum Beispiel die im Zeughaus
stattfindende Dauerausstellung "Wir Deutschen", die fast symmetrisch zum
ähnlich lautendem Spiegel-Sonderheft, eine gar nicht mehr fassbare Masse an
Fakten und Informationen auf den Besucher los lässt. Die gar keiner mehr
verdauen kann, weil's Fressen ja so viel schöner ist.
Das "Gedächtnis der Nation", wie es Springers
"Welt" anhimmelt, kann so schnell in eine Schul-Lehrerweisheit enden und zu
einem multimedialem Allerweltsspielzeug mutieren, das kaum noch Ort für
kollektive Erinnerung ist, weil der Spielball in geistig zu flacher
Ebene gehalten wird, ohne die wichtigen herausragenden Intellektuellen mit
ins Boot zu nehmen.
Franz Biberkopf, das existentielle Drama des verfluchten Menschen, das
findet sich hier auf dem Alex oder am Zoo immer noch genauso wie in den
Zwanzigern. Döblin würde sich nicht mehr fassen können. Der Punker, der
haltlose Trinker, der sich vollgepisst hat, der Hartzler der mit offener
Hand durch Kreuzberg oder Charlottenburg rennt. Wir finden sie immer noch
und sie werden mehr und mehr. Aber, und das ist der entscheidende
Unterschied: Biberkopf ist uns sympathischer, lyrischer, klassischer,
erhabener. Denn man muss belesen sein um ihn zu verstehen, das andere, das
ekelt uns nur. |

Marienkirche

WagnerOrgel der
Marienkirche

Altes Museum
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Berliner Dom |
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Der Berliner Dom ist sicher die erste Adresse,
wenn es darum geht ein etwas deutsch-getümmeltes Bauwerk in Berlin ausfindig
zu machen, das noch nicht völlig in "Hitlers Berlin" einverleibt und
"untergegangen" wurde, obwohl gerade jener Dom für Fantasie-Prachtbauten der
Nazis als Vorlage gedient hat. Direkt neben dem Dom jedoch finden wir das
"Alte Museum", das eine der ersten "Speer-Spitzen" des neudeutschen
Bauwahnsinns werden sollte. Der Dom leidet bereits wieder an
Restaurierungsmängel. Bund und Land spendieren vorerst mal eine halbe
Million, um das rund elf Tonnen schwere "goldene Kreuz" wieder auf die
Kuppel zu bekommen. |
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Kaiser Wilhelm II ließ den Barockbau als
Symbol des deutschen Protestantismus zwischen 1894 bis 1905 errichten. Nach
Schäden im Zweiten Weltkrieg begann 1975 der Wiederaufbau. Im Juni 1993 war
die Predigtkirche vollständig rekonstruiert. Zur Gemeinde mit ihren 45
Mitarbeitern gehören rund 1060 Mitglieder, die im Gegensatz zu Ortsgemeinden
über das Stadtgebiet verteilt leben. Rund 700.000 Besucher jedes Jahr spülen
bei Eintrittspreisen von 5 Euro pro Person entsprechende Geldmittel in die
Kasse. Interessant der Zusammenhang zu Hamburg, wo ebenfalls als größte
Kirche ein Barockbau im Zentrum steht, der Michel, der sechs Jahre nach dem
Berliner Dom gebaut wurde. |

Kaisertreppe im Dom |
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Als ich im Dom zugange bin, ein paar
anständige Fotos von der Orgel zu schießen, dabei die Kirchenbänke als
Stativersatz benutze, macht sich ein Aufseher entrüstet bemerkbar: "gerade
diese Fotografierweise sei im Dom nicht gestattet. Es bestände die
Möglichkeit, dass daraus copyright geschützte Fotos gemacht werden." Ich
bitte also den Aufseher dann selbst mit meiner Kamera das gewünschte Bild zu
machen - es wird tatsächlich völlig verwackelt - , aber wir kommen ins
Gespräch. Als der Mann erfährt, dass ich Orgelbauer bin, und einen gewissen
Bezug zu dieser Orgel habe, läd er mich kurzerhand ein mit auf die
Orgelempore zu kommen, wo gerade der Organist KMD Dr. Albrecht
für die Messe sich einzuüben versucht. |
Video01_Wunderlich spielt Reger im Dom zu
Berlin Passacaglia und Fuge op126
Video02 Wunderlich spielt Reger im Dom zu
Berlin-Fantasie und Fuge op46 |
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Wir
gehen also hoch zur Orgel, zum Spieltisch, begrüßen den Organisten Dr.
Albrecht. Er erlaubt mir einige Fotos und nebenbei ein kleines Filmchen
aufzunehmen, um es unseren
Internetfreunden zugängig zu machen, die nicht soviel Glück haben.
Vielleicht hat er es auch nicht so mitgekriegt. Beim
Abgang erwähnt der Aufseher, dass wir nun die Kaisertreppe hinunter gehen,
die ausschließlich dem Kaiser und seinem Gefolge vorbehalten w ar,
und dass vielleicht gerade mal der Wowereit mit Anhang hier noch hochlaufend
darf - aber nie haben Touristen die Chance diese Treppen zu besteigen. "Also
Sie haben heute schwer Glück gehabt", sagt er beim Verabschieden. Man
betrachtet noch das Übrige, geht runter in die Gruft und ins Shopping, wo
ein T-Shirt nach einer grandiosen Idee, scheinbar der Firma Sauer
entstammend,
gelayoutet wurde. Orgel ans Volk herantragen, ein schweres Stück Arbeit,
vielleicht kommen uns noch bessere Einfälle?!
BERLIN DOM ORGEL FLYER.PDF ( 2,4MByte)
mit Dispo |
Video03 KMD Dr. Christoph Albrecht
Einübung am Spieltisch
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Das
Musikinstrumentenmuseum |
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Das Musikinstrumentenmuseum in Berlin
befindet sich am Kulturforum in der Tiergartenstraße nahe des Potsdamer
Platzes, und wird von mir bei jedem Berlinbesuch aufgesucht. Hier haben wir
zwei Orgeln, die von Walcker in den 80er Jahren restauriert und aufgestellt
wurden: die Mighty Wurlitzerorgel des Werner Ferdinand von Siemens
aus dem Jahre 1929 und die dreimanualige Schleifladenorgel der englischen
Orgelbauer William und Johann Gray. Daneben befinden sich noch
weitere Orgeln, wie die Markussen Orgel aus ~1860 (wird ergänzt) und
ein schönes Positiv aus etwa 1600. |

Positiv aus etwa 1600 |
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Die
Gray Orgel |
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Die
dreimanualige Gray-Orgel wurde von den englischen Orgelbauern William
und John Gray, vermutlich von John (gestorben 1849), für die Kirche
St. Mary´s in Bathwick(Somerset) zwischen 1815 und 1820 gebaut. Robert
gründete 1774 in London die berühmte Orgelbaufirma, die unter dem Namen
Gray & Davison bis zum Ende des 19.JH bestanden hat. Von dieser Firma
gibt es noch heute zahlreiche Orgeln - u.a. in London St. Paul´s, Crystal
Palace, Oxford, Leeds, Bolton oder Glasgow. |
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1879
wurde die Orgel an die neue Kapelle der Kongregational Kirche in Salisbury
verkauft und vom dem Orgelbauer Vowles aus Bristol eingebaut. Bei einer
völligen Umgestaltung der Kirche 1977 wurde die Gray-Orgel abgebaut und in
Chichester gelagert. Es ist Herrn Dr.Nicholas Thistlethwaite vom
British Institute of Organ Studies in Newcastle zu danken, dass dieses
Instrument erhalten blieb und vom Museum in Berlin erworben werden konnte.
Die Restaurierung von Orgel und Gehäuse führte Orgelbau Walcker 1984 durch.
Disposition der Orgel Mit dem
weichen Klang ihrer weit mensurierten Pfeifen steht die Grayorgel noch ganz
in der Barocktradition, die den Orgelbau im konservativen England des frühen
19.JH kennzeichnet. |

Open Diapason 16'
der
Gray-Orgel
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Die Mighty Wurlitzer-Orgel |
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D ie
Wurlitzer Orgel kaufte Werner Ferdinand von Siemens (1885-1937) im
Jahre 1929 von der Rudolph Wurlitzer Company aus North Tonawanda im
Staate New York, USA. Siemens hatte sich an seine Villa in Berlin-Lankwitz,
Gärtnerstr. 25-32, einen Konzertsaal anbauen lassen, in dem er gelegentlich
selbst dirigierte. Hier ließ er zunächst eine kleinere Wurlitzer Orgel (2
Manuale und 8 Grundstimmen) einbauen, die er dem Berliner Ufa- Palast am Zoo
verkaufte, um das sehr viel größere Instrument (vier Manuale und 15
Grundstimmen = ranks)
aufstellen zu können. Mit dem 2.Feb. 1943 ging der Besitz von Siemens und
damit die Wurlitzer Orgel in Reichsbesitz über. Die Orgel überlebte den
Zweiten Weltkrieg. Ein späterer Kabelbrand verursachte einen noch behebbaren
Schaden. Mit Vertrag vom 3.6.82 erhielt das Museum die Orgel als
"unentgeltliche Übereignung der BRD". Die Firma Walcker hat die Wurlitzer
Orgel restauriert und sie im Museum spielfertig gemacht.
Zur
Zeit des Stummfilms dienten Kino-Orgeln zur musikalischen Untermalung. In
Berlin gab es mindestens 27 solcher Kino-Orgeln, die inzwischen lange
verstummt sind. In England und den USA ist die Tradition, auf solchen Orgeln
zu konzertieren, auch nach Einführung des Tonfilms nie untergegangen. In
diesen Ländern veranstalten Kino-Orgelklubs zahlreiche Konzerte und sorgen
für CD-Aufnahmen. Auf dem europ. Festland erlebte die Kino-Orgel erst zu
Beginn der 80er Jahre ihr Comeback. In der Nähe von Paris wurde die
Christie-Orgel aus dem Pariser Gaumo nt-Palace
wieder aufgestellt, nahe bei Genf 1982 eine aus England gekaufte Wurlitzer
Orgel. 1980 machte die Firma Walcker die bis 1956 im Capitol in Heidelberg
installierte Oskalyd-Orgel für den Königssaal im Heidelberger Schloß
spielbereit. Zwei Welte-Kino-Orgeln aus westdeutschen Filmtheatern
gingen nach Rüdesheim und an das Düsseldorfer Filmmuseum. Das
Deutsche Filmmuseum in Frankfurt hat eine aus England stammende Wurlitzer
erworben, die ebenfalls von Walcker restauriert wurde.
Beispielmusik auf der
Wurlitzerorgel.MP3 (4MByte)
(jo mei?, wen's gfreit!?)
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Die
Wurlitzer in Berlin



Trompetenbecher |
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Die Marcussen - Orgel aus 1860 |
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Diese
kleine Orgel war als Dorforgel in Schleswig Holstein tätig und fiel mir
besonders wegen den nachfolgend gezeigten Stimmvorrichtungen auf, wo die
gedeckten Pfeifen mittels eines Gewindekorkens gestimmt werden konnten.
Hätte sich das nicht die Getränkeindustrie anstelle des Kronenkorkens
einfallen lassen können? |

Gewinde- Stimmvorrichtung an der Marcussen-Orgel in Berlin |
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Sonstiges |
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I m
Musikinstrumenten Museum fallen mir die verschiedenen Selbstspielapparaturen
auf. So ein Vorläufer der Schallplatte. Die gediegene Ausführung der
romantischen Klaviere, die man leider Gottes nicht berühren darf, ein
Augenschmaus. Was passiert erst, wenn diese Instrumente erklingen? - fragt
man sich. Hier befinden sich so viele interessante Instrumente, die von noch
interessanten Musikern bespielt wurden, dass ich nur jedem Berlinbesucher
empfehlen kann, unbedingt dieses Haus sich anzusehen. |
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Umstellung eines Walcker-Serienpositives |
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Unsere
Arbeit war, der Ausbau und die Überführung eines kleinen Walcker-Positives
von Berlin Wannsee, Klinik Heckeshorn, nach Martin Luther-Gemeinde in
Schöneberg. Wobei wir zunächst einmal Halt machen mussten im Gebäude der "Wannsee-Konferenz",
in dem die Vernichtung der
europäischen Juden beschlossen wurde. Ein Haus, das uns mit einem
unheimlichen Schauer überfiel. Nur wenige Häuser davor das des Malers
Max Liebermann. Die ehemalige Klinik Heckeshorn steht seltsam endzeitmässig da,
von allen Geistern verlassen, nun bereit, abgerissen zu werden, damit das
Ganze an Grundstücken privatisiert wird. In der neuen Heimat, im
Gemeindezentrum
in Schöneberg haben wir das Positiv noch auf ein fahrbares Podest gesetzt,
um es dann endgültig dynamisiert ans schrumpfende Gemeindeleben anzupassen.
Damit kann man die Orgel auch aus dem Gefechtsfeld fahren, wenn Pop- und
Rockveranstaltungen sind. Übrigens eine gute Lösung, auch mit Türen, wo
immer geübt werden kann, und die wir gerne und
preiswert anderen Gemeinden anbieten können. Alles in Allem war es eine
schöne Arbeit, mit viel Kultur und Besuchen
und Drumherum bestückt.
Der Luther-Brief der Evang. Luthergemeinde
in Berlin Schönberg beschreibt in ein
paar Sätzen, wie es zur Übernahme der Walcker-Orgel aus Heckeshorn kam.
Eine Woche Berlin, das kostet Kraft, wie
fast ein halbes Jahr auf dem Lande, aber
vermissen
möcht man's auch nicht, höchstens immer wieder auf Distanz gehen, zum
Moloch, zum Schwarzen Loch, das uns irgendwann
verschlingen wird, das weiß man gewiss.
Und hier zum Schluss haben wir diese
abenteuerliche Fahrt durchs "Schwarze Loch Berlin" mit Reubkes Psalm 94
eingebracht, das durch Farben und Bewegung eine neue Empfindung weckt.
Solche Perspektive lässt neu hören und vielleicht neu sehen.
!Video04: Driving through the
Black hole Berlin with Reubkes Psalm 94 (12MByte)
Vielleicht wird es für Manchen ein Einstieg in
die Orgelmusik, die hier den außerordentlichen Alltag zum Festtag macht.
nur kurz eine Frage zum "schwarzen Loch"
Berlin und Reubke: ist das möglicherweise Trautner in Riga? Diese
dunkel-schweren Klänge...!genauso!! muss das klingen, virtuos zwar,
aber ohne jede Hektik - das vermittelt einen Begriff von deutscher
Romantik... Die Einspielung von Sander aus den 1980ern an der Klaisorgel im
Altenberger Dom, die ich in meinem Fundus habe, kann da klanglich nicht
mithalten, obwohl Sander sehr gut spielt. Aber der Orgel dort fehlt einfach
dieser geheimnisvoll-düstere Klang, den man zu dem Berlin-Video sieht. Prima
Idee übrigens - hätte ruhig der ganze 4. Satz sein können! WG
Gerhard Walcker-Mayer 8.3. 2007
ergänzend zum Thema erscheint heute am 9.2.07 ein Artikel
in
"Mein Berlin" über die Tätigkeit meiner Schwester Carmen
Walcker-Mayer |

so
fanden wir die Orgel in Wannsee vor

so
fährt sie nun im neuen
Gemeindezentrum

black hole Berlin
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