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Klaus
Könner " Der Süddeutsche Orgelprospekt des 18.Jahrhunderts"
Tübinger Studien zur Archäologie und Kunstgeschichte Band 12. Ein
gewichtiges Buch, mit rund 550 Seiten. Für Orgelbauer interessant sind
die rund 150 Zeichnungen im Anhang und natürlich die
kunsthistorischen Erläuterungen. Eine schöne und tiefgreifende Arbeit,
die jeden Barockenthusiasten begeistern muss. |
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Bodo
Kühn " Das Werk macht den Meister", Roman um den
Orgelbauer Gottfried Silbermann - Union Verlag Berlin ehem. DDR 1974
Interessant wäre festzustellen, inwieweit dieser Roman
den Tatsachen um das Leben Gottfried Silbermann's entspricht. Im Großen
und Ganzen ist es ganz ordentlich geschrieben, an manchen Stellen sehr
pathetisch und die "DDR" leuchtet nicht nur durchs Papier
sondern auch durchs Vokabular stark hindurch. |
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Albrecht
Schöne „Goethes Farbentheologie“. Beim Lesen dieser Schrift
hatte ich zeitweise das Gefühl ein examinierender Jüngling möchte da
seine Dissertation mit tiefgründigem Wissen beschweren und es tauchen
weithergeholte Anekdoten und Unverständlichkeiten auf. Dann aber wieder
leuchtet ein „Albrecht Schöne“ auf, tiefsinnig, weit und breit wie er
es in seiner Vortragsschrift „Dichtung als verborgene Theologie –
Versuch einer Exegese von Paul Celans >Einem, der vor der Tür
stand<“ schaffte. Die Auseinandersetzung Goethes mit Newtons
physikalischer Farbbetrachtung wird hier aus einer seltsamen Perspektive
beleuchtet. Sachlich ist zu konstatieren, dass Goethe die Farben unter
qualitativen, phämenologischer (die Erscheinung deutend nach
Bewusstseinsakten) Betrachtungsweise sah, während Newton
quantitativ, physikalisch- mathematisch messbar, mit wissenschaftlicher
Methodik also an die Sache heranging. Ein Künstler sieht die Farben eben
anders als ein Wissenschaftler und da hat sich auch heute nichts dran geändert.
Ich würde sogar sagen, dass durch die Quantenphysik eher ein erhebliches
Maß an Unsicherheit bei den heutigen Physikern dazugekommen ist. Mischt
man komplementäre Farben in Form von Pigmenten, so erhält man
„Schwarz“ oder "Grau" bei der Mischung von Lichter erhält
man aber „Weiß“. Dieses „Kuriosum“ konnte Newton mangels
Experimentmaterial nicht nachvollziehen, was Goethe zu heftiger Polemik
veranlasste, und was Schöne zum Anlass nimmt ein komplettes Kapitel mit
dieser Polemik zu verabreichen. Am Ende des Buches werden Bibelzitate und
Pietismus pur auf hilflose Leser ausgeschüttet, womit das erklärte Ziel
der Schrift erreicht sein soll, nämlich, dass Goethe der Gründung einer
„Farbenkirche“ unterlegen sein soll. Alles, wie gesagt, etwas weit
hergeholt, man denkt sich am Ende, es muss das Werk an des Meisters
Schrift selbst studiert werden. Eine viel interessantere Aufgabe wäre
gewesen, Goethes Farbenlehre abzutasten, wie diese auf die später durch
die Romantik initiierte esoterische Strömungen eingewirkt hat. Welche
Bedeutung hat hier der in seinen Grundfesten erschütterte Apolliniker
Faust-Goethe, was unterscheidet eigentlich die Methode Goethes von der
deduktiven - wissenschaftlichen, und welche enorme Bedeutung
kommt der Farbenlehre als Quelle esoterischen – künstlerischen
Gebrauchs zu ? Alles Fragen, auf die dieses Buch keine Antworten gibt –
und wer hat schon die Zeit das ganze Werk Goethes durchzuackern ?
(gwm) 14.9.02 |
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Carl
Dahlhaus "Klassische und romantische Musikästhetik".
Der Freiburger Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus beleuchtet in dieser
1988 verfassten Schrift elementare musikästhetische und philosophische
Betrachtungen aus der Zeit der Romantik. Schwerpunkt nach Kants
Musikästhetik (wer hätte gedacht, dass es sowas überhaupt gibt) geht es
über Hegel, Schelling und E.T.A. Hoffmann zu Wagner und Claude
Levi-Strausses Mythos-Analyse des Ring der Nibelungen. Wagner -
Schopenhauer - Nietzsche und deren geistige und musische Verhältnisse
untereinander finden ihren krönenden Abschluss im "Opus metaphysicum".
Mit Ernst Bloch wird am Schluß gar eine Philosophie der Musik beschworen,
natürlich mit deren Superjünger Theodor W. Adorno. Der Reiz, Musik, die
bekanntlich durch die Ohren geht und eigentlich unbegreiflich aufgenommen
wird (Stockhausen sagt dazu "Unterleibsmusik"), geistig und
philosophisch zu betrachten ist bei der Lektüre dieses hervorragend
geschriebenen Buches unheimlich groß. Am Ende des Tages sehen wir wieder
die großen Griechen, wie Pythagoras oder Platon, wie sie bereits vor 2500
Jahren Musik und Mathematik vereint dachten - heute, wer denkt da an
Mathematik ? (gwm) 14.9.02 |
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Ernst
Krenek "Im Atem der Zeit".
Der Komponist und Schriftsteller Ernst Krenek hat mit dieser
autobiographischer Schrift ein Paradebeispiel historischer Dokumentation
geschaffen : die erste Hälfte des 20 Jahrhunderts hat Krenek hier auf
1000 Seiten fein säuberlich niedergelegt. Leicht lesbar steht man vor den
Toren der Deutschen Kultur und vor deren Zusammenbruch und hört Alma
Mahler, Franz Werfel, Oskar Kokoschka, Bruno Walter, Arnold Schönberg,
Rainer Maria Rilke, Otto Klemperer und ebengenannten Ernst Bloch ebenso
wie T.W. Adorno plaudern und ernsthafte Beiträge leisten. Ein Buch für
jeden Musiker, der dieser Zeit etwas abgewinnen kann.
(gwm) 14.9. 2002 |
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Nikolai
Gogol "Die toten Seelen" - ein Wegbegleiter der letzten
4 Wochen verlässt mich nun, aber ich möchte es nicht ganz zur Seite
legen. Was für ein Russe war das nur, der es so meisterlich verstand
diese unendliche Weite der russischen Landschaft zu beschreiben, und der
mich wieder und wieder an Eberhard Friedrich Walckers Petersburger Reise
1838 erinnerte, da dieses Werk zwischen 1835 und 1852 entstand. Danach so
sagt man, ist Gogol wahnsinnig geworden. Es ist in der Tat eines der ganz
großen Werke der Weltliteratur. Ein Buch ist es, welches man nur schweren
Herzens zur Seite legt, und nur eine Zeile aus der Feder Gogols lasse ich
hier stehen : ... noch hat das Lachen nicht Zeit gehabt, ganz von deinem
Gesicht zu verschwinden, und schon bist du mitten unter denselben Menschen
ein anderer geworden, und dein Gesicht ist schon von einem anderen Licht
erleuchet..
(gwm) 14.9.2002
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Fanny
Hensel "Tagebücher" - mit unheimlicher Präzision
notiert die Schwester Felix Mendelssohn-Bartholdys fast alle täglichen
Ereignisse, vor allem von ihrem Mann dem Hofmaler Wilhelm Hensel und ihrem
Bruder Felix. Das Reisen und der Alltag um diese Zeit von 1830 bis 1847
kann so für jedermann ausführlich studiert werden. Ich sehe es als
Ergänzung zu den Aufzeichnungen EFW's und als eine komplementäre Farbe
zu Gogols riesigem (im Sinne von "great") Roman.
Irgendwann bekommt man einen Geschmack dieses Jahrhunderts auf die Zunge,
der es erlaubt Orgeln zu bauen wie es in der Orgelromantik Usus war. Oder
meint irgendjemand, das gehe nur über Maschinen- und Materialstudium ?
(gwm) 14.8.02 |
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Rüdiger Safranski "Schopenhauer - die
wilden Jahre der Philosophie", das ist in die versunkene Welt
blicken, als die Philosophie noch in prächtiger Blüte stand. Wie
beeindruckend Safranski schreiben kann, das ist schon Meisterklasse : da
wird eine Welt, und zwar die von 1790 bis 1860 neu aufgebaut und in
einem Detailreichtum und in einer Erzählfreude dargestellt, die uns regelrecht in
einen Bannstrahl festhält und läutert und klärt. Wenn da Arthur
Schopenhauer nach Frankfurt/Main zieht, dann ist das für Safranski
Gelegenheit die Stadt Frankfurt in allen Einzelheiten, von der
Gasbeleuchtung bis zum bequemen Bürgertum darzustellen - vergessen
hat er nur den Bau der Paulskirchenorgel durch EFW zu erwähnen, ansonsten
ist alles drin. Und wer mit diesem Safranski bei Schopenhauers in Weimar
war und in die leuchtenden Jupiteraugen Göthens gelesen hat, der hat mit
diesem und den nachfolgenden Büchern eines Erzählers der Spitzenklasse
auch noch etwas Bürger-Bildungstum mitgenommen - einfach grandios ! gwm
15.12.02 |
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