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MERSCH - Eindrücke aus Luxembourg, von Gerhard Walcker-Mayer 9.9.2001
Hier nun also ist Europa, sage ich mir, und ich sehe ein Land, das alles über Bord geworfen hat, was man noch nationalistisch oder dünkelhaft nennen könnte, ein Land das keinen Anlass mehr bietet es mit einem sauertöpfischen oder kleinkarierten europäischen Nationalstaat zu vergleichen. Luxembourg (die genaue Schreibweise leuchtet niemanden so genau ein) ist einem ad hoc sympathisch : der Luxemburger ist immer neugierig und spielfreudig, aber im Prinzip gibt es ihn nicht, denn der Luxemburger ist der Europäer schlechthin, er verkörpert gewissermaßen die verschiedenen Elemente vom Westen bis zum europäischen Osten und vom Süden bis zum niederländischen Norden. Luxembourg fasziniert mich mit seiner Toleranz gegenüber fremdländischen Einflüssen, einem humanen Lebensprinzip, das man sonst nur noch in den von der Antike beschienenen südländischen Staaten antrifft und das einen selbst ungeheuer beruhigt. Der Luxembourger wohnt zwischen den zwei großen, sich nicht immer ganz freundlich gesinnten Ländern Frankreich und Deutschland, und so spricht er neben seiner moselfränkischen Mundart sowohl französisch wie deutsch, was jedem Franzosen und Deutschen sehr sympathisch ist. Die Menschen der Region zwischen den Machtblöcken Deutschland und Frankreich, von der Schweiz über das Elsaß hinauf über Luxembourg bis hin nach Belgien haben sich eine eigenständige, kluge Lebensphilosophie zueigen gemacht, und profitieren heute von dem "Zusammengehenmüssen" dieser Machtblöcke, indem sie Schritte und Verständigungen harmonisieren, indem sie die plumpen Bewegungen dieser "Riesen" fein austarieren. Nicht von ungefähr ging so aus einem dieser "Pufferländer" eine der großen Bewegungen in der Orgelgeschichte aus, nämlich die "Elsässische Orgelreform". Aber selbst will das kleine Land auch etwas darstellen und dies tut es in vielen Fällen mehr als es sollte. Die europäische Kulturmetropole von 1995 ("nie gehört" werden viele sagen - es war die Stadt Luxemburg) bietet eine Beschaulichkeit und einen seltsamen Reiz mit ihren herrlichen Viertel und Festungsüberresten, das von der Unesco in die Liste des Weltkulturerbes übernommen wurden und jeden Fremden erschauern lässt. Daneben wird auf dem "Kirchberg" eine Bauwut an den Tag gelegt, die mich persönlich eher abstößt. Die kleinen Ortschaften rund um Mersch, die Friedhöfe, die Bahnhöfe, die Gastwirte, ja die Wirtschaften und das Leben und Treiben auf den Straßen, alles dies fasziniert uns lange und anhaltend, da es ja doch so verschieden ist von unseren Städten und Dörfern. Später werden wir die herrlichen Landschaften im Norden Luxembourgs kennen und lieben lernen. Die Geselligkeit der Luxembourger sollte fast sprichwörtlich sein, überall und immer wieder werden wir angesprochen und auf typische Luxembourger Eigenheiten hingewiesen. Man lebt sich so schnell ein in ein Land, das man vorher überhaupt nicht kannte, obwohl es um die Ecke liegt. Und dann ist es wieder einmal Abend, wo man durch die Sommernächte hindurch Ortschaft um Ortschaft, Orgel um Orgel, Kirche um Kirche besucht und besichtigt, wo man begeisterte Menschen trifft, die sich der Orgel verschrieben haben, wo man nachts um 1/2 12 Uhr noch einen Schoppen trinkt und Bemerkenswertes über diese und jene Orgel zu berichten weiß. Da hört man im Geiste noch die Dahlstein-Haerpfersche Dolce und sinniert genüsslich über einen legendären Principal, man erinnert sich an ein Zungenwerk in belgischer Landschaft, von einem vogesischen Orgelbauer noch vor 1900 eingebaut und vielleicht bemerkt man dann eine kleine Träne der Freude und ist seinem Herrn und Gott dankbar. Einige dieser schönen Momente habe ich versucht ins Bild zu fangen - aber man muss es doch erleben und durchleben, nur ein paar Zeichen hier :
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