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Wien   

eingefügt am 20.Juni 2004

ergänzt 2008 11.Sept. Beitrag aus dem Journal "Das Mechanische Musikinstrument" Nr. 32 (September 1984) der "Gesellschaft

für Selbstspielende Musikinstrumente e.V." (GSM), hier veröffentlicht mit der freundlichen Erlaubnis

der Redaktion.

 

Die Walcker-ORGANOLA

von 1904

ein zeitgeschichtliches Phänomen

 

"Die Organola von Walcker als zeitgeschichtlíches Phänomen", von Bernhard Häberle in der Zeitschrift "Das Mechanische Musikinsttrument" im September 1984 veröffentlicht, enthält fast alle wesentlichen Gesichtspunkte dieser Selbstspieleinrichtung . Ich habe mir erlaubt diesen kompletten Artikel hier zu veröffentlichen : Häberle Walcker-Organola (PDF-File auf 12 Seiten, mit Bildern). Außerdem sind in der Folge einige Fotos hier aufgeführt, die Patentschrift u.a.. Der komplette Organola-Apparat ist auf einer Zeichnung für Worms-Pfeddersheim festgehalten, der sich in unserem Archiv befindet. Daneben gibt es natürlich viele Bilder von "Salon-Orgeln" hier auf unseren Internetseiten, wo das Phänomen "Organola" weiterverfolgt werden kann.

Als kleines Schmankerl haben wir ein Foto Max Reger's auf einer "Welte-Philharmonic"  miteingebracht, wo der gute Max gerade einige Rollen bespielt.

 

Max Reger auf der "Welte"

 

 

Oscar Walcker schreibt in seinen "Erinnerungen" über die Organola :

Ich habe schon mehrfach ausgeführt, dass ich mich um die Jahrhundertwende monatelang in Schottland aufhielt und dass sich in diesem Lande damals eine lebhafte Orgelkonjunktur entwickelte. Die freien Kirchen hatten damals keine Instrumente in ihren Gotteshäusern, ihre a-capella Chöre bestritten den musikalischen Teil des Gottesdienstes. Die Zeit war nun gekommen, dass diese Gemeinden ihren einstigen Standpunkt aufgaben und sich anschickten, die Orgel in ihren Kirchen einzuführen. Die Neuyorker Casson-Company hatte in Glasgow eine rührige Vertretung gefunden, die kleine Orgeln mit Selbstspielapparaten einführte, so dass mir von meinen schottischen Freunden nahegelegt wurde, doch auch einen 

Selbstspielapparat zu konstruieren, um mit den Amerikanern konkurrieren zu können. Nach Hause zurückgekehrt, ging ich sofort ans Werk und konnte bald schon das erste Instrument mit Selbstspiel­apparat, den ich ,,0rganola" taufte, nach Glasgow liefern. Die wichtige Notenrollenfrage wurde in einfachster Weise dadurch gelöst, da6 Tonumfang und Teilung des Apparates den Rollen der Aeolian-Compagnie angepasst wurden. Ein reichhaltiger Katalog stand zur Verfügung, wonach die Notenrollen ohne weiteres in den einschlägigen Geschäften gekauft werden konnten.

Die mechanischen Musikwerke hatten ihren Siegeszug angetreten. Eine amerikanische Firma brachte ein technisch und klanglich hochstehendes selbstspielendes Harmonium, ;,0rchestrelle" genannt, auf den Markt. Für die Klaviere baute die Aeolian-Compagnie als Vorsatzinstrument das ,,Pianola", das weiteste Verbreitung fand. Die Firma Hupfeld in Leipzig nannte ihren Apparat ,,Phonola". Später wurde der Selbstspleler in die Klaviere eingebaut. Schließlich hatte jede Klavierfirma ihre eigenen Instrumente mit eingebauten Apparaten.

Der Begründer der Firma Welte & Sohne in Freiburg im Breisgau, der aus Vöhrenbach im Schwarzwald gebürtige Spieluhrmacher Michael Welte, hatte im Jahre 1845 das erste große selbsttätige Orgelwerk erfunden, das er ,,0rchestrion" nannte. Von weiterer Bedeutung wurde das 1904 von der Firma herausgebrachte Reproduktionsklavier ,,Welte-Mignon" mit von Künstlern bespielten Notenrollen. Eine geniale Erfindung dieser Firma ermöglichte weiterhin, das Orgelspiel un-mittelbar mit allen Feinheiten der Phrasierung und Registrierung, sowie des Tempos auf Rollen aufzunehmen. Diese selbstspielende ,,Welte-Philharmonie" (1913) war ein Wunderwerk der Technik. Die bedeutendsten Organisten kamen nach Freiburg, um die Rollen zu bespielen. Namen wie Karl Straube, Max Reger, Alfred Sittard, Walter Fischer, Gustav Knak, Gunther Ramin, Karl Matthais, Arno Landmann, Franz Philipp, Enrico Bossi, Joseph Bonnet, Edwin-Henry Lemare, Eugene Gigout und andere mehr glänzten im Notenkatalog von "Welte. Es ist vielleicht einer späteren Zeit vorbehalten, auf diesen Rollen die Interpretationskunst dieser Männer, nachdem sie langst von uns gegangen sind, wieder lebendig werden zu lassen und zu studieren.

Die Selbstspielapparate blieben aber nicht nur auf die Tasteninstrumente beschrankt. Zum erstenmal stellte die auf diesem Gebiet führende Leipziger Firma Hupfeld auf der Weltausstellung in Brüssel im Jahre 1910 selbstspielende Geigen aus, die in der deutschen Abteilung geradezu eine Sensation hervorriefen. Über einem rotierenden Geigenbogen waren Violinen angeordnet, deren Saiten, an diesen Bogen herangeführt, zum Erklingen gebracht wurden. Die Fingergriffe waren durch fein gesteuerte Tasten ersetzt. Wie bei einer von der Hand gespielten Geige war Vibrieren und Modulieren des Tones möglich. Das Ganze war ein ungemein........

 

Ein seltener Schatz -
Auf der Pfeddersheimer Organola ist auch
Albert Schweitzer verewigt
Christine Vaternahm

 

Worms (epd). In einem Schrank in der Pfeddersheimer Kirche liegen lange, grüne Kästchen. Darin ruhen auf Stäbe gewickelte und mit Löchern und Zeichen versehene Papierstreifen. Ab und zu holt der evangelische Pfarrer Heiko Wulfert eine Rolle hervor und spannt sie in die Orgel. Dann schließt er eine Glasscheibe, drückt einen Knopf und zieht ein Register. Tief atmet das Instrument ein und schon spielt die Musik. Organola heißt der seltene Schatz, den die Gemeinde im Wormser Stadtteil Pfeddersheim erst vor kurzem gehoben hat. Das Instrument wird zurzeit für rund 60.000 Mark restauriert.
Nach dem Tod der langjährigen Organistin hatten sich ihre beiden Nachfolger über den schlechten Zustand der Orgel beklagt. Daraufhin wurde der Orgelsachverständige Professor Reinhardt Menger eingeschaltet. Dieser sei vor Ehrfurcht ganz andächtig geworden, als er gesehen habe, welche Schätze sich in der Kirche befanden, erinnert sich Pfarrer Wulfert. Nicht nur der barocke und reich verzierte Stumm-Prospekt und die romantische Walcker-Orgel im Originalzustand von 1913 beeindruckten den Fachmann. Er entdeckte auch die Organola und war begeistert.
Die Anschaffung des Instrumentes verdankt die Gemeinde einem Ereignis, das seinerzeit als höchst peinlich empfunden wurde. In der von Katholiken und Protestanten gleichermaßen genutzten so genannten "Simultankirche" wurde 1912 im evangelischen Teil, dem Langhaus, eine ökumenische Totenfeier begangen. Dabei fiel die Orgel durch ein unangenehmes Quietschen auf. Die Evangelischen fühlten sich bis auf die Knochen blamiert und entschlossen sich schließlich dazu, das Instrument auszumustern.
Just zu dieser Zeit waren elektropneumatische Orgeln en vogue, weil sie den Organisten ihr Spiel ungemein erleichterten: Mussten sie bei mechanischen Instrumenten die Tasten mit hohem Kraftaufwand betätigen, so ging das bei den neuen wie von selbst; rasche Läufe und das Aneinanderbinden der Töne waren kein Problem mehr.
Auch in Pfeddersheim sollte so eine moderne Orgel her. Man bestellte bei der Firma Walcker, und deren Vertreter erwies sich als geschäftstüchtig: Ob man nicht auch gleich eine der neuartigen Organolas einbauen lassen wolle, ließ er anfragen, dann könne auch Musik erklingen, wenn der Organist verhindert sei. Die Kirchengemeinde wollte.
Um die Werke der Romantik quasi im Original hören zu können, mussten Lochstreifen hergestellt werden. "Das war so, wie heute eine CD gebrannt wird", erläutert Wulfert. In speziellen Studios setzten sich Organisten an die Rollenstanze und lochten Werk um Werk ins Papier. 29 Rollen erwarb die Pfeddersheimer Gemeinde, Komponisten wie Mendels-sohn Bartholdy, Wagner, Bach und Haydn sind ebenso vertreten wie Händel oder Beethoven.
Der spezielle Charakter des Spiels der Organisten ist auf den Lochstreifen auch erhalten und so kann die Gemeinde sogar dem spezifischen Tastenanschlag von Friedensnobel-preisträger Albert Schweitzer (1875-1965) lauschen. "Er hat einige Streifen bespielt, wir wissen leider nur nicht, welche", erklärt Wulfert. Und das, obwohl der Urwalddoktor und leidenschaftliche Bach-Interpret heftig gegen die modernen Orgeln wetterte.
Die Organola hat seit ihrer Wiederentdeckung über die Region hinaus Beachtung gefunden. Das rheinlandpfälzische Landesamt für Denkmalpflege hat sie sogar zum technischen Denkmal erklärt. (291/05.04.00)
 

 

Impressum : 

Besitzer : Orgelbau Gerhard Walcker-Mayer

G. Walcker-Mayer (gwm) gewalcker@t-online.de

Telefon 0049 6805 - 2974 oder 0049 170 9340 126

Telefax 0049 6805 91 3974    

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