Chronologie eines zu Ende

gedonnerten Regens

 Reise einer Orgel von Theater zu Theater,

von Schloss zu Schloss

die Heidelberger Kinoorgel liegt nun in Schwetzingen

 

 

 
  Heute wieder einmal eine Oscar Walcker-Orgel, diesmal Opus 2139 Baujahr 1928,gebaut für die Capitol-Lichtspiele in Heidelberg. "Lebendig wie Gesang, intim wie Kammermusik" ... so das Werbeblatt der größten europäischen Orgelfirmen "Hammer, Sauer und Walcker".  

Als diese Orgel in den 70er Jahren wieder ausgegraben wurde erinnerten sich viele aufmerksame Besucher und Orgelspieler an die Zeit, als die Kino-Orgeln noch 14 köpfige Musikkapellen ersetzte und welche Begeisterung diese Instrumente damals in den Zwanzigern auslösten. Das ist heute durchaus anders. Wir haben heute kaum eine Klientel für derartige Orgeln. Die Kinoorgelmusik hat von einer kleinen Fangemeinde abgesehen weder Freunde noch Tiefgang und entsprechende Sponsoren. Dennoch dürfte dies für die "Eukalyptus-Orgel" eine kleine Idee anders verlaufen. Denn es ist ja doch eine für Kinoverhältnisse ein sehr großes Instrument und immerhin ist es auch die einzig erhaltene Oscar-Walcker-Kinoorgel.

Das Instrument wurde 1978/79 von Walcker/Murrhardt renoviert, wobei die ganze Windanlage und die Gestaltung der Orgel wegen anderer Baubedingungen im Königssaal des Heidelberger Schlosses neu gestaltet werden musste. Übrigens, wer meint, dort im Schloss habe er es mit einem historischen Gebäude zu tun,dem kann man getrost versichern, dass der Königssaal weitaus jünger als jene Kinoorgel ist. Es dürfte um 1936 dort ausgestaltet worden sein, was an den pompösen Leuchtern und dem inneren Ambiente gut und leicht zu erraten ist.

Die Gestaltung in 1978 kann als nicht ganz glücklich bezeichnet werden, da die Balganlage drastisch verändert wurde und ein Heer an Plastikkondukten und Westaflex, welche dazu noch ungünstig plaziert sind, entsprechend nachteilig auf die Taschenladen und Pneumatik gewirkt haben. Die Schwellergehäuse aus recht dünnen Tischlerplatten sind entsprechend wirkungslos. Auch fehlen ganze Platten. Alle Lederteile befinden sich jenseits einer minimalen Dichtigkeit. Schön und hervorragend restauriert und erhalten sind die Pfeifen und die meisten Teile der Beiwerke.

Unsere Aufgabe war es nun, die Orgel sachgerecht zu verpacken und im Schloss Schwetzingen einzulagern. Wobei der Zeitraum der Einlagerung noch nicht übersehbar ist. Dazu ist unser Team aus Bukarest angereist und hat eine streng bemessene Zeit zur Verfügung gehabt, alle erforderlichen Arbeiten, mit Ausnahme der technischen Bearbeitung und Dokumentation vorzunehmen, denn die habe ich in den vergangenen 4 Wochenenden erstellt. Insgesamt 14 Kisten wurden verpackt. Ein militärisch exakt kalkulierter Plan sollte mit dem erfolgreichen Hochtransportieren in den höchsten Stock des Schwetzinger Schlosses am Freitag von 9 bis 16 Uhr abschliessen. Damit wieder am Dienstag nach Bukarest gereist werden kann. Alles lief wie es sein sollte.

Markus Alexander Gerhard Heribert

 
I.Manual C-c4 = 61 Töne II.Manual C-c4   II.Manual C-c4 Fernwerk

Hornflöte

8'

Aliqout 3fach

8'

Bordun

8'

Kornett 4f.

8'

Celeste 2 fach

8'

Fernflöte

4'

Gamba

8'

Bachflöte

8'

Angelica ab g 2fach

8'

Choralflöte

4'

Quintatön

8'

Vox humana

8'

Klarinette

8'

Schwiegel

2'

 

 

Alphorn

8'

Oboe

8'

Pedal C-f'= 30 Töne

Harfe -Celeste

 

Xylophon c'-c'''

8'

Subbaß

16'

Tremolo
 

 

Tremolo

 

Echobaß (Abschw. aus Subbaß)

16'

 

 

 

 

Fagott

16'

 

 

 

 Beiwerke

 

 

 

große Trommel

B

Schläge

 

Rattern auf Xylophon

X

Becken

B

Schläge

 

Regen

A

Gong Forte

D

Schläge

 

Lokomotivpfiff

A

Gong Piano

D

Schläge

 

Signalpfiff

A

Turmuhr

D

Schläge

 

Sirene

A

große Trommel

B

Wirbel

 

Auto

A

Becken

B

Wirbel

 

Telefon

A

Gong

B

Wirbel

 

großes Kirchengeläut

D+E

kl. Trommel

C

Wirbel

 

kleines Kirchengeläut

D+E

Tamburin

C

Wirbel

 

Vogel

A

Holzblock

C

Wirbel

 

Kuckuck hoch

A

Holzstäbe

C

Wirbel

 

Kuckuck tief

A

Schlitten

C

Wirbel

 

Donner hoch

D

Eisenbahn

A

Wirbel

 

Donner hoch

D

 

Schleife zum Einschalten

der 2.Reihe der Vox Angelika

 

I.Manual dahinter

Subbaß 16

 

leergeräumt bis auf die

Lade des II.Manuals

 Als man doch schon weit fortgeschritten ist, da entdeckt man noch eine Walcker-Orgel in der Kapelle des Heidelberger Schlosses, dort wo tausende von Hochzeiten das ganze Jahr stattfinden, da eben spielt jenes kleine, historisch ausgerichtete Örgelchen fleissig und tapfer seine Dienste.

 

Hier wird schon der erste Teil abtransportiert und da wird bereits grandiose Millimeterarbeit von unserem Heribert vollbracht, denn die gotischen Tore zum Schloss sind alles andere als nach unseren LKWs ausgerichtet.

Blick auf einen der schönsten

Schloßgärten Deutschlands

Und hier ist ihre vorläufige Ruhestätte.
  Mit rund 43% der einst in Deutschland vorhandenen Kinoorgeln erreichten die in der Oskalyd-Orgelbau vereinigten Firmen, Walcker, Sauer, Furtwängler&Hammer den höchsten Marktanteil. Ein Viertel dieser Orgeln waren Kleinorgeln mit einem Manual. Die hier vorgestellte Orgel dürfte eines der größten Instrumente dieses Typs von Oskalyd gewesen sein. Links eine Grafik aus einer Welte-Orgel in Düsseldorf.

 

Als einzige nenneswerte Lesequelle gilt:

"Karl Heinz Dettke - Kinoorgeln und Kinomusik in Deutschland" Verlag J.B.Metzler Musik

 
  Gerhard Walcker-Mayer 16.9.07  

Impressum : 

Besitzer : Orgelbau Gerhard Walcker-Mayer

G. Walcker-Mayer (gwm) gewalcker@t-online.de

Telefon 0049 6805 - 2974 oder 0049 170 9340 126

Telefax 0049 6805 91 3974