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letzte Bearbeitung am
29.03.2008
LESERBRIEFE
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22.7.2004 Lieber Herr Walcker-Mayer,
das
Schönste kommt unerwartet als Geschenk. Die Anmerkungen aus der Sicht des
Hauses Walcker zusammen mit den Schweitzer-Zitaten haben ihre Wirkung getan.
Mit einem ungewöhnlichen Programm vergegenwärtigt Dominikus Trautner die
ungewöhnliche Klangwelt der Rigaer Domorgel. Das Herz geht einem dabei auf,
und es geht mir wie der Franka, die sagte: "Die Orgel klingt nach neuem
Leben." Und beim Anhören der CD erinnerte ich mich an den Satz des "Täleskapos"
Vogt aus Ludwigsburg: "Schade, dass der Herr Walcker-Mayer das Singspiel
nicht mitbekommen hat. Das hätte ihm gefallen."
Ich
glaube es auch und grüße Sie herzlich
E.H. |
Sehr geehrter Herr Walcker, als
Orgelfan war ich mal wieder am Stöbern im Internet. Da stiess ich auf Ihre
geniale Seite. (Man sollte mal mit der GdO über einen Artikel
"Orgel-Internetführer" sprechen, damit diese Schätze, die bestimmt weltweit
noch irgendwo schlummern, bekannt werden.)
Meine Frage wäre nun, ob Sie mir ein Passwort für Ihre Seite schicken
könnten, damit ich mir alles in Ruhe ansehen kann?!
Sollten Sie noch weitere Informationen über mich benötigen, dann zögern
Sie nicht, mich anzusprechen.
Vielen Dank!
Gruß aus Berlin! März 2005
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Lieber Herr Walcker-Mayer,
vielen Dank für die Sendung der zwei offensichtlich verloren gegangenen
Bücher! Ich halte Ihre schnelle
und kulante Reaktion für bemerkenswert.
Mit freundlichen Grüßen!
JS
Wuppertal 19.4.2004 |
Sehr geehrter Herr
Walcker-Mayer,
gestern ist Ihre höchst
interessante und wissenswerte CD angekommen.
Haben Sie recht herzlichen
Dank für Ihr bewundernswertes Engagement, Ihre Mühe und Arbeit, die mir
und vielen anderen Lesern viel Freude bereitet.
Mit freundlichen Grüßen
LDZ
Orgelarchitekt 25.6.04
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| gwm 1.Feb.2004 Lieber Herr
Pfarrer
Natürlich ist es für mich nicht möglich Ihre Perspektive in allen
Einzelheiten zu kennen, noch wäre es für mich angemessen Ihnen von hier aus
irgendwelche Weisheiten zu vermitteln oder Ratschläge zu erteilen. Wie bei
jeder Entscheidung spielt die Bezahlbarkeit, die Pragmatik und viele andere
Elemente ins Ganze hinein. Und so gesehen ist mein Aspekt der Betrachtung,
eben auch nur "ein" Aspekt.
Aber diese meine Sichtweise und Einschätzung des Instrumentes lässt
prinzipiell keinen Kompromiss zu, obwohl ich Ihre umfangreiche Begründung
durchaus verstehe und akzeptiere. Und ich glaube auch kaum, dass Sie sich
dieses schwierige Problem einfach gemacht haben.
In den 50er und 60ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat mein Vater
rund 3500 Orgel gebaut. Ich habe in dieser Zeit gelernt und ich habe auch
lange gebraucht diese Zeit zu überwinden, und insbesondere diese rein
technische und wissenschaftliche Ansicht der Welt. Diese Zeit war von einer
Dynamik und Bewegung gekennzeichnet, was wir heute noch nicht richtig
vermessen können, da der Zeitabstand noch zu gering ist. In jedem Fall war
es vielleicht die letzte große Bewegung innerhalb des Orgelbaus, wohingegen
heute eine Erstarrung eingetreten ist, der wir nur dadurch entgegentreten
können, indem wir andere Wertigkeiten setzen.
Darunter verstehe ich nicht unbedingt ein Zurückstarren, sondern eine
über die Oberfläche der wissenschaftlichen und technischen Sicht
hinausgehende Betrachtung. Und damit eine Gewinnung an Lebensqualität, indem
man einfach mehr innerhalb der Dinge findet, als es der erste Augenblick
erscheinen lässt.
Mir hat vor zwei Tagen eine Kirchenbedienstete auf meine Anfrage, ob die
Orgel wieder gestimmt werden soll, geschrieben : wir haben seit zwei Jahren
ein elektronisches Instrument, und seit dieser Zeit gottseidank kein
Bedürfnis mehr. Ich hätte am liebsten zurückgeschrieben, "das ist ja klar,
wenn man die Seele totschlägt, dann bereitet sie keinen Kummer mehr".
Also, wir sehen auch, dass es immer zwischen der Kunst und ihrer
Forderung und dem Machbaren Kompromisse geben muss. Nur ist eben heute die
Gefahr sehr groß, dass man nur noch pragmatisch handelt, und Kunst nur noch
in Hinterhöfen und auf kleiner Flamme gelten lassen will. Man sehe nur die
Sparprogramme von Regierung, Kirchen und sonstigen großen Verbänden und
Firmen. Wir werden damit letztendlich in die Geschichte eingehen, als eine
Zeit der "totalen Verflachung" oder schlimmer noch, als "eine Zeit die nicht
mehr diskutierbar ist".
Das "Alte" ist für mich als Orgelbauer nur von Interesse, wenn es
lebendig in die heutige Gegenwart überfließen kann. Wenn es Museumsdenkmal
ist, das keine Bewegung mehr zulässt, dann ist es tot und uninteressant.
Wenn darunter Menschen mehr leiden müssen, als dass ihnen Freude widerfahre,
dann ist es auch nicht gerechtfertigt. Ich denke da an einen Humanismus der
bei Albert Schweitzer und Erich Fromm angesiedelt sein sollte, und ich
denke, dass jeder Fanatismus in diese Richtung fehl am Platze ist.
Daher kann ich Ihnen nur sagen, dass ich hoffe, dass Sie Glück mit Ihrer
Orgelgestaltung haben, unterstützen kann ich aber nur ein vollkommen
"reines" Restaurierungskonzept.
Mit vielen Grüßen
Ihr
Gerhard Walcker-Mayer
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01.Feb. 2004 Lieber Herr
Walcker
besehen aus musikästhetischer Sicht, auch aus der Sicht, was eine Orgel
bedeutet, gebe ich Ihnen absolut Recht. Natürlich wäre es richtiger, den
"Werkwillen" der Hersteller des Instruments zu beachten und dieses
Instrument wieder so zum Klingen zu bringen, wie es dem Ursprung entspricht.
Ein Instrument allerdings, daß in seiner nahezu neunzigjährigen
Geschichte maximal von 1912 - 1914 und dann wieder begrenzt 1936 - 39,
sodann mit großen Schwierigkeiten 1956 - 1963 funktionsfähig war, danach
generalüberholt wurde und dann bereits seit Ende der sechziger Jahre - trotz
vorangegangener fachlich werkgerechter Restaurierung - nur noch eine
ästhetische Klangqual war, ein solches Werk har gleichwohl seinen Wert,
steht aber offensichtlich am falschen Ort. Das ist keine Frage der Ästhetik,
das ist eine Frage der Seriosität des Denkens. Was nützt mir eine Orgel
hier, deren Technik in den Witterungsbedingungen in Ägypten nicht nachhaltig
funktionieren kann!? Die Abfälligkeit der Bälgchen war und ist das große
Problem hier. Alle Bälgchen wurden vor ca. 40 Jahren durch einen Vertreter
Ihrer Firma bzw. einen Beauftragten Ihrer Firma ausgetauscht, sie muss
danach - und Zeitzeugen belegen dies denn auch - wieder wunderbar geklungen
haben. Aber schon das Fernwerk hatte man aufgegeben, es stand ungenutzt und
unspielbar in der Kirche. Die Organola war schon gar nicht mehr spielbar,
wurde sogar ausgebaut und vernichtet. Lediglich einige kleine Überrest der
Technik waren noch da, und natürlich waren da auch noch die vielen Rollen.
Die Durchsicht auf die Organola war lange vorher bereits verschlossen
worden. Die Pneumatik der Organola war stillgelegt. Ganze Teile der Orgel
wurden bereits in den sechziger Jahren ebenfalls stillgelegt, das muss
bereits bei der letzten großen Reparatur erfolgt sein, über die wir hier
leider keinen detaillierten Bericht haben. Weitere Teile der Orgel wurden
von Banausen verschenkt und verscherbelt, Pfeifen als Dekorationsmaterial
von Wohnzimmern verschleudert. Das, lieber Herr Walcker, ist die Realität.
Sie sollte verschrottet werde. Es ist einem Ägypter zu verdanken, daß dies
nicht erfolgte; er hatte sich geweigert, die Verschrottung zu betreiben. So
blieb uns wenigstens ein Teil des Instruments erhalten, wenn auch so
zerstört, daß es nicht mehr spielbar war.
Natürlich hätte Sie die Orgel, oder doch wenigstens die vorhandenen Teile
wieder werkgerecht herrichten können - aber um den Preis, daß sie in zehn
Jahren wieder unspielbar ist - und in diesem Sinne bin ich in der Tat
Pragmatiker, denn eine Orgel, so hochwertig sie sein mag, sie muss auch
spielbar sein, als Anschauungsstück klingt in und aus ihr gar nichts.
So haben wir wenigstens jetzt doch eine Ahnung der Schönheit und wissen,
daß als pneumatisches Werk diese noch viel schöner gewesen sein muss.
Sehen Sie, nach dem Krieg war es die Firma Walcker, die halb Deutschland
mit schnell hergestellten Orgeln versehen hat. Das war nach den
Kriegszerstörungen wichtig: Jede Kirche sollte die Möglichkeit haben, sich
ein Instrument zu beschaffen. Wir haben als Kirchen der Firma Walcker da
viel zu verdanken. In meiner letzten Gemeinde in Frankfurt hatten wir eines
dieser schnellproduzierten und aus vielen anderen Orgeln zusammengebauten
Instrumente. Sie tat gut Dienste. In meiner zur Gemeinde gehörenden zweiten
Kirche hatten wir in diesem Sinne ein zweimanualiges Instrument gleichere
Machart, wunderbar, schlicht, einfach, solide, stabil und klanglich gut. Der
Service der Wartungen war schlecht, Erweiterungen nicht möglich! Leider hat
die Firma, diesen Ansatz verlassen und nicht darauf geachtet, daß ca. 50
Jahre nach Kriegsende und nachdem die Kirchen mit jenen Orgel ausgestattet
wurden, eine zweite Nachkriegphase der Sicherung und Ausweitung sowohl
dieser vorhandenen Orgeln erfolgen müsste und auch neue "Einfach-Orgeln" für
den Gottesdienstgebrauch notwendig wurden. Hätte Sie heute für uns eine
robuste Orgel im Angebot für einen Preis von ca. € 40.000,00, wir hätte
Ihnen die alte in Zahlung gegeben und diese genommen. Vor 10 Jahren.. als
die Gemeinde beschloss ein dummes elektronisches Instrument zu kaufen, gab
es auch eine Anfrage in Ihrem Haus, mit lediglich DM 40.000,00 war die
Elektronikorgel die einzige Antwort. Ja, lieber Herr Walcker, Ihre
Orgelphilosophie teile ich, der ich auch Organist bin, mit Leidenschaft.
Aber die Orgelbaufirmen haben uns wie viele Gemeinden im Stich gelassen. Das
ist der Grund, warum die Orgelästhetik den Bach hinunter geht. Nicht weil
wir es nicht wollen, sondern weil wir uns die teuren Werke nicht mehr
leisten können! Firmen wie die Ihre und viele andere bauen und planen schon
längst an den Gemeinden, denen die Instrumente ja dienen sollen, vorbei. Sie
wollen große Vorzeigeobjekte - die alte Nachkriegsphilosophie Walckers
kannte dies nicht. Die wusste, daß sie den Gemeinden dienen sollte, ihnen
gute und stabile Instrumente zu liefern. Daneben gab es auch andere aus dem
Hause Walcker! Ich habe in New Yorks St. Peters Church auf einer solchen
gespielt und liebte meine "Hausorgel" in Frankfurt in der dortigen
Matthäuskirche, auch eine Walcker. Wenn Sie als Firma an der Basis unserer
Gemeinden nicht präsent sein können, weil die heutigen Werk zu teuer sind.,
darf man sich nicht wundern, wenn die Orgelästhetik verloren geht. In diesem
Sinne haben wir einen Mittelweg gesucht und gefunden: Vom alten
Walckersystem so viel wie möglich erhalten, aber eine dauerhafte Technik
benutzen.
Ich weiß, Ihnen dreht sich dabei der Magen um, aber gerne hätten wir z.B.
Ihre Firma für die Umrüstung herangezogen. Und ich weiß, daß es vielen so
ergehen würde wie uns. Statt nun in Bausch und Bogen unseren Weg zu
verwerfen, wäre es vielleicht sinnvoll, sich unsere Arbeit anzusehen,
nachzuschauen, ob die Sicherung des Grundbestands dieses Werks wenn auch
unter veränderten und verändernden Umständen nicht doch auch für Sie
interessant sein könnte, und uns dann zu helfen, die Reste der noch
vorhandenen Orgel mit vereinten Kräften aufzubauen. Die alte
Walckerphilosophie hätte hier bestimmt ein lohnendes Tätigkeitsfeld und vor
allem einen angemesseneren Schritt gegen das Vordringen der elektronischen
Instrumente gefunden, ein Weg, der zugleich auch bezahlbar wäre.
Wir werden jetzt in die Fund-Raising-Phase eintreten müssen, um die
zweite Bauphase im nächsten Jahr hoffentlich durchführen zu können. Es wäre
schön, wenn Sie, mal ganz "pragmatisch" gedacht, mit dabei sein könnten, mit
unserer Technik wenigstens die vage Erinnerung an den früheren Klang, auf
jeden Fall aber eine mit den natürlichen Elementen der Luft arbeitende Orgel
weiterhin zum Leben zu erwecken.
Ihr
PK
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| eingefügt am 17.1.04 Lieber Herr
Walcker-Mayer,
Weihnachtsgrüße aus Stade - und Glückwunsch zu Ihrer angemessenen Polemik
gegen das ziemlich größenwahnsinnige Regensburger Orgelvorhaben in der
Neupfarrkirche.
Man reibt sich schon die Augen, wenn man das liest - und den
Prospektentwurf sieht: was man dort vorhat, mutet an wie eine Karikatur der
Notre-Dame-Orgel. Und die "Begründung" liest sich wie eine faule Ausrede:
als ob sich eine "zu laute" Orgel nicht durch geschickte Intonation an den
Raum anpassen ließe (wenn sie denn wirklich zu laut ist - man muß ja als
Spieler auch mit der Klangkraft eines Instruments umzugehen wissen). Und
soll die angestrebte neue Orgel mit ihren dann 80 Registern etwa "leiser"
sein? Der Dispositionsentwurf (natürlich mit spanischen Trompeten) läßt eher
das Gegenteil vermuten.
Daß die derzeitige Orgel noch nicht einmal 20 Jahre alt ist, steigert die
Neubaupläne ins Skandalöse. Hätte man in früheren Jahrzehnten/Jahrhunderten
nur so gedacht, hätte keine einzige Schnitger-, Silbermann-, Walcker- oder
Cavaillé-Coll-Orgel bis in unsere Zeiten überdauert, und leider mußten ja
auch viele dieser "Klangzeitzeugen" dran glauben. Es kommt hinzu, daß die
Orgelwerkstatt Jann für die sehr respektable Qualität ihrer Orgeln bekannt
ist und 42 Register ja auch nicht gerade wenig sind. Da drängt sich schon
die Frage auf, wer sich hier und warum ein Denkmal setzen will.
Ein wenig in Schutz nehmen will ich allerdings die Schweizer Orgelbauer:
daß Firmen wie Kuhn, Mathis oder Goll gerade "en vogue" sind, kann man
diesen Werkstätten nicht ernsthaft vorwerfen. Auch Schnitger, Silbermann,
Walcker und Cavaillé-Coll waren ja zu ihrer Zeit so etwas wie "Marktführer",
und in der "orgelbewegten" Nachkriegszeit hießen die Favoriten (jedenfalls
in Norddeutschland) eben Kemper, Führer, Ott und v. Beckerath. Die Orgeln
Rudolf v. Beckeraths belegen, daß man auch in orgelbewegt-kargen
Nachkriegszeiten schöne Instrumente bauen konnte, wenn man denn wollte und
einem kein verbohrter Orgels(chw)achverständiger dazwischenkam.
Und im Osnabrücker St.Petri-Dom (siehe
www.kuhn-org.com)
ist Kuhn gerade eine klanglich wie architektonisch-technisch herausragende
Lösung gelungen, die die Orgelbauer aus Männedorf am dritten Adventssonntag
auch auf bemerkenswert sympathisch-bescheidene Art "präsentiert" haben. Das
dort errichtete Instrument ordnet sich bewußt den räumlichen Vorgaben unter
und respektiert die große West-Rosette. Zudem ist mit dem auf der Orgel
angebrachten Spieltisch eine die extrem schwierigen räumlichen Verhältnisse
vorzüglich ausnutzende (und unkonventionelle) Lösung gelungen. Kein
vordergründig-protziges "Auftrumpfen" also, weder nach der Registerzahl,
noch klanglich - stattdessen Beschränkung auf das Wesentliche. Kompliment!
Bleibt die Hoffnung, daß man in Regensburg vielleicht noch zur Vernunft
kommt - und vor einem übereilten Protz-Neubau vielleicht auch mal die
hervorragenden Jann-Orgeln in der Münchner Frauenkirche inspiziert und hört.
Dort stehen keine französischen Klone, sondern Orgeln, die eine gelungene
Stilsynthese repräsentieren. Aber wahrscheinlich fehlt in Regensburg an der
Neupfarrkirche ein Musiker von solchem künstlerischem Rang (und persönlicher
Bescheidenheit!)wie der ehemalige Frauenkirchen-Organist Franz Lehrndorfer,
dem die Domorgeln ihre klangliche Gestalt (mit-)verdanken.
Mit besten Grüßen aus der tristen norddeutschen Tiefebene:
Ihr Wolfgang Gourgé
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eingefügt am 17.1.04 Sehr
geehrter Herr Walcker,
seit einiger Zeit schon ist mir Ihre Internet-Seite bekannt. Wenige Tage
vor ihrem Abbruch hatte ich die Gelegenheit, mir die Walcker-Orgel im
Essener Dom nochmals anzuschauen und vorzuspielen.
Dabei habe ich auch einige Aufnahmen gemacht. Eine davon schicke ich
Ihnen als Erinnerung in der Hoffnung, Ihnen eine kleine Freude zu machen.
Das Abschiedskonzert mit Heino Schubert habe ich besucht. Es war
mir, als würde ein ganz großer Könner die bislang letzte dynamische Epoche
der deutschen Orgelkunst zu Ende führen.
Hoffen wir, daß uns die kommenden Jahre nicht die völlige Erstarrung in
einen "gespenstischen Orgeltotenkult" mit reaktionären Stilkopien und
pseudo-impressionistische Epigonenmusik bringen.
Aus Köln grüßt Sie Stephan Pollok |
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| Antwort zu dem Leserbrief von Thomas Diehl
Sehr geehrter Herr Diehl,
Sie haben tatsächlich mit wenigen Worten ein Hauptproblem im heutigen
Deutschen Orgelbau klar erkannt und ausgesprochen. Daher habe ich Ihren
Brief auch so plaziert, dass es wirklich jeder lesen muss.
Was hinter dem Problem liegt, das sind natürlich die Namen aller dieser
Sachverständigen. Kaum ein Orgelbauer getraut sich da öffentlich vorzugehen,
weil hier rigoros Machtverhältnisse ausgespielt werden. In Bayern und
Württemberg können Ihnen die Orgelbauer da herrliche Lieder davon singen. (
Ich selbst bin hier in Rheinland Pfalz, Baden etc. betroffen).
Nun kommt noch hinzu, je mehr man dagegen wettert, dass einem da
natürlich mehr und mehr Aufträge entzogen werden.
Es gibt natürlich auch andere Sachverständige, die cool und locker
erstmal prüfen, welchen Einsatz der Orgelbauer bringt, die objektiv
versuchen zu taxieren. Aber dieses Problem haben wir hier in Deutschland
seit 200 Jahren : von Eberhard Friedrich Walcker über Oscar Walcker
hin zu meinem Vater, der in einer Hausmitteilung laut und drastisch gegen
das Unwesen der Sachverständigen zu Felde zog. Seit jenen Zeiten ist viel
Stöhnen von seiten der Handwerker unter dem Diktat der "Besserwisser" in,
und um die Orgel herum ins Land gegangen.
Was mich persönlich aber am Meisten stört, das ist, dass unter dem Diktat
der Sachverständigen jegliche Kreativität ausgeschaltet wird. Schweizer
Orgeln, das sind für mich primär "Bauklötze, in denen es innen tickt"
anstelle einer Lebendigkeit, was unserer heutigen Kirche allgemein sehr gut
tun würde.
Aber in einer Rezession nach Kunst und Kreativität zu rufen, da wird man
keine Heerscharen auf seine Seite bringen.
Begnügen wir uns damit zu sagen, dass wir bei anhaltender Rezession
ohnehin nicht mehr anders können, als dann zwangsläufig wieder "autark" zu
werden.
Mit vielen Grüßen
Gerhard Walcker-Mayer |
Leserbrief
zu Ihrem Bericht „Pfeifen auf den Sparkurs“,
„Orgelbau
in Bayern boomt“
Erschienen
unter der Rubrik „Thema der Woche“ im Sonntagsblatt Nr. 48 vom 30 November
2003
Gleichzeitig mit Freunde
und Erstaunen las ich den großen Beitrag im Sonntagsblatt vom 30. November
2003 über den boomenden Orgelbau in Bayern.
Erfreulich ist, dass die
Königin der Instrumente solch große Wertschätzung erfährt, ist sie doch ein
lebendiges Zeichen sowohl des Glaubens als auch unserer Kultur.
Unverständlich ist mir allerdings die Polarisierung zwischen den großen
Projekten in herausragenden Kirchen und die doch eher flapsige Darstellung
der vermeintlichen Bedürfnisse kleinerer Kirchengemeinden. Gerade in den
kleinen Gemeinden zeigt sich die integrative Kraft eines aktiven
Gemeindelebens, wie Ihr Beitrag verstehen lässt.
Wissend um die allgemein
schwierige Situation des deutschen Orgelbaus stört mich sehr die Arroganz
der Darstellung, speziell des Orgelsachverständigen Morath, der sich auf die
„hohe Qualität“ ausländischer Firmen beruft. Auch die ausländischen
Orgelbauer kochen nur mit Wasser, allerdings zu enorm hohen Preisen.
Macht man heute dem
Orgelbauer zum Vorwurf, dass in den vergangenen Jahrzehnten anders gedacht
und gebaut wurde, so ist doch darauf abzuheben, dass diese Denk- und
Bauweise von Orgelsachverständigen initiiert und getragen wurde. Die
Ergebnisse allerdings gereichen heute den damals ausführenden Firmen, die
den Vorgaben der Sachverständigen zu folgen hatten (und heute noch haben)
zum Nachteil, der so weit geht, dass die so genannten „Fachleute“ den
Orgelbauern ihre Arbeiten aus jener Zeit vorwerfen und sie minderer Qualität
beschuldigen. Viele Orgelbauer bekommen nicht einmal mehr die Chance
anzubieten oder gar zu bauen, sie können es ja gar nicht, so die irrige
Meinung vieler Orgelsachverständiger. Viele Orgelbaubetriebe sind ob dieser
Tendenz in ihrer Existenz bedroht, obwohl sie sich redlich bemühen, aber
meist keine Chance bekommen, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu
stellen. Lieber lässt man schweizerische, österreichische oder elsässische
Firmen zu horrenden Preisen bauen, unter Orgelsachverständigen ist das
überdies auch schick und dient der eigenen Profilierung.
Wer allerdings bedenkt,
dass diese ausländischen Firmen und ihre Mitarbeiter, seien sie in der
Schweiz, Österreich oder im Elsass, weder dem deutschen Staat noch unseren
Kirchen nicht einen Cent Steuermittel zukommen lassen? Wie steht es um die
Arbeitsplätze im deutschen Orgelbau? Von welchen Mitteln erhalten die
meinungs- und entscheidungsbildenden Orgelsachverständigen ihr Salär?
Traurig, dass solchen
Aussagen in der Kirchenzeitung für Bayern Raum gegeben wird, auch und
besonders im sonst doch so patriotischen Bayern.
Thomas
Diehl
www.orgeldiehl.de
Christophstraße 25
71364 Winnenden
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Hallo Herr Walcker!
Pedal H hat bisher ordnungsgemäß funktioniert.
Vielen Dank nochmals für die tolle CD! Wahnsinns Klang!!!
Viele Grüße und eine schöne Weihnachtszeit!
Michael Schultheis 17.12.03 |
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Betreff:
Wundervolle Seiten...
Sehr geehrter Herr
Walcker-Meyer,
nachdem ich jetzt
bereits mehrmals Ihre Homepage besucht habe, möchte ich
Ihnen gerne ein
kleines Feedback geben.
Eher zufällig bin
ich dort gelandet, über eine Internet-Suche nach
Informationen zu
Arvo Pärt. Ich hatte gerade sein Werk "Alina" gehört und
wollte mich näher
mit seiner Musik beschäftigen.
Auf Ihrer Homepage
fand ich dann "Alina", eine Folge in Worten und Bildern.
Die Worte haben
mich fasziniert, ich fand sie sehr passend zu der Musik von
Pärt.
Neugierig habe ich
mich dann weiter auf Ihren Seiten umgeschaut und viele
interessante
Entdeckungen gemacht.
Übrigens habe ich
viele Jahre auf einer kleinen Walcker-Orgel den
Gemeindegesang
begleitet, meine ersten Erfahrungen mit dieser Wunderwelt
"Orgel" gemacht...
Aber das nur
nebenbei...
Alles Gute und
Gottes Segen für Ihre Arbeit in Bulgarien.
Mit freundlichen
Grüßen
Ekkehard May
E-Mail: may@windharfe.de
www.windharfe.de
|
Sehr geehrter Herr
May,
vielen Dank für
Ihre Worte. Das freut mich immer wieder, dass es zwar wenige Aufmunterung
gibt, aber es gibt sie halt. Und letztendlich ist dies der einzige Grund
warum man immer wieder wie vernarrt an diesen Seiten arbeitet und seine
Ideen dazu einbringen will.
Wenn ich
vollkommen erschlagen von der Arbeit oder von anderem Stress in einem Zug
sitze, oder vermehrt nun wartend in Flughallen herumlungere, und dann
schalte ich Pärts "Alina" ein oder andere Stücke, dann kommt ein Zustand,
den ich schlicht als "Erlösung" bezeichnen würde. Vielleicht haben wir
zuwenig Begriffe, um unsere Gefühle richtig auszudrücken, aber für mich ist
klar, dass diese Form der "Erlösung" nicht mehr wie vor 200 oder 300 Jahren
durch barocke Orgelmusik bewerkstelligt wird, sondern durch solche Musik,
wie sie Pärt schreibt.
Viele Grüße
Ihr Gerhard
Walcker-Mayer
8.12.03
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| Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer!
Ich bin vor einiger zeit auf ihrer fantastischen Homepage
über die Walcker-Klischees gestolpert, auf die ich mich dann vollen
Heißhunger gestürzt habe. Leider war die *.pdf-Datei mit den Beschreibungen
der einzelnen Fotos seinerzeit noch nicht fertig. Als ich jetzt eben mal
wieder auf Ihrer Seite war, konnte ich die Klischees nicht mehr finden.
Hier also meine Frage: Habe ich den entsprechenden Link
schlicht übersehen oder haben sie die Klischees "aus dem Verkehr gezogen"?
MfG,
FBB 2.11.
Antwort: die Klischeeseite ist unter Klischees
|
Herr Walcker, haben Sie herzlichen Dank fuer
Ihre Email. Ich habe mich sehr gefreut von Ihnen zu hoeren! Die CD ist ja
ziemlich gut gelungen - als erste lernt man ja vieles! Aber ich bin sehr
zufrieden. Die Orgel ist doch sehr "French" aber dabei macht einen sehr
guten Kontrast zu der Walcker-Orgel in Toccoa. Fuer meine Orgelschueler ist
es ja sehr praktisch mit zwei solchen Instrumenten direkt nebeneinander!
Im Sommer, 2004, spiele ich noch einmal Konzerte in Deutschland. Und zwar am
13. Juli in Kulmbach und am 17. Juli in Rothenburg o.d.T. Falls Sie noch
Vorschlaege haetten wo ich evtl. anderswo spielen sollte, waere ich fuer
eine Mitteilung sehr dankbar.
Viel Spass mit der Arbeit in Bulgarien. Es ist ja prima dass Sie sich
solchen Instrumenten widmen. Mit vielen Gruessen, JFM.
Okt.2003 |
| Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer, haben Sie
recht herzlichen Dank für die prompte Zusendung der CD, mit der Sie mir eine
große Freude gemacht haben. Das Klangerlebnis dieser Orgel ist wirklich eine
ganz neue Erfahrung. So etwas habe ich bei deutsch-romantischen Großorgeln
anderer Hersteller noch nicht gehört. Ein Jammer, daß so wenig größere
Walcker-Orgeln original überlebt haben!
Beste Grüße
L.Z. 5.11.03 |
Lieber Herr Walcker-Mayer! Gestern erhielt
ich die Riga-CD wohlbehalten und habe sie am abend
komplett durchgehört - ein TRAUM!
Vielen Dank nochmals und weiterhin viel Erfolg!
Mit freundlichen Grüssen
KU 5.11.03
|
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Lieber Herr
Walcker,
nach der
spannenden Arbeit in Bulgarien wünsche ich Ihnen auch in den
anderen Gefilden
wieder frohes Schaffen. Am vergangenen Sonntag konnte ich
mich in der der
Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin überzeugen, wie eine
als Chororgel
aufgestellte WalckerSerienorgel mit 7 Registern aus den 60 ern
mit entsprechender
Intonation den Raum zu füllen vermag und die Gemeinde
führen
kann..........
Viele Grüße
KH 3.11.2003 |
Herr Walcker, haben Sie herzlichen Dank fuer
Ihre Email. Ich habe mich sehr gefreut von Ihnen zu hoeren! Die CD ist ja
ziemlich gut gelungen - als erste lernt man ja vieles! Aber ich bin sehr
zufrieden. Die Orgel ist doch sehr "French" aber dabei macht einen sehr
guten Kontrast zu der Walcker-Orgel in Toccoa. Fuer meine Orgelschueler ist
es ja sehr praktisch mit zwei solchen Instrumenten direkt nebeneinander!
Im Sommer, 2004, spiele ich noch einmal Konzerte in Deutschland. Und zwar am
13. Juli in Kulmbach und am 17. Juli in Rothenburg o.d.T. Falls Sie noch
Vorschlaege haetten wo ich evtl. anderswo spielen sollte, waere ich fuer
eine Mitteilung sehr dankbar.
Viel Spass mit der Arbeit in Bulgarien. Es ist ja prima dass Sie sich
solchen Instrumenten widmen. Mit vielen Gruessen, JFM.
Okt.2003 |
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Leserbrief von D.F.Kloss
am 11.Juni 2003
Gentlemen;
I am a recently retired organ
builder. I worked with
the Aeolian-Skinner and Moller organ
companies here
in the U.S.A.. These companies are are
now out of
business. My interest in the art of
organ building is as
high as ever. Which brings me to my
reason for contacting
your firm.
I found your website and was
amazed at the beauty of
the painting on your homepage. In my
years of pursuing
our craft I have not seen any
portrayal of the instrument
that has the power and beauty of this
artistic work.
I would be grateful for any
information leading to the
purchase of a copy or copies of your
fronts-piece.
I believe that it should be shown
to the public at large,
and that it will be representative of
your distinguished
firm. I remain,
Very
respectfully yours,
D.F. Kloss
207 High Street, Fairport Harbor, Ohio
44077 USA
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Leserbrief von Ulrich Schlieker
am Mai 2003
Konnte nicht umhim, dem Essener
Domkapitel meine Kondolenz auszudrücken:
Ein trauriger Gruß aus dem
Münsterland !
Etwas makaber wird das
Orgelkonzert im Juli d.J.: "Abschied von der
alten Domorgel". Zugegeben war
das Instrument ein "Kind seiner Zeit" und
bot nicht die
raumgreifende Potenz heute
beliebter symphonischer Kathedralorgeln.
Aber das haben wir
Gottesdienstbesucher im Essener Dom nicht vermißt.
Eure alte Domorgel ist/war ein
Vorbild der dezenten "ancilla domini",
die sich architektonisch und
farblich dem Raum unterwarf und doch mit
eigener Stimme zusprechen wußte.
Es war wenig rühmlich, wie
Bischof Franz "der Erste" beim Orgelbau 1966
die Firma Klais mit seiner
perönlichen Intervention ausgebootet hat (es
ist hoch anzurechenen, daß der
Orgelbauer damals auf den Weg der
Vertragsklage verzichtet hat).
Weil in der Frage des Lieferungstermins
der Bischof selbst gedrängelt
hat und die Orgelbaufirma die Stirn
hatte, auf die vertraglichen
Vereinbarungen zu rekurrieren, ist damals
die Firma Walcker herangezogen
worden, die trotz der Zeitnot ein
sauberes Instrument geliefert
hat.
Jetzt meint man also, eine neue
Orgel installieren zu müssen. Ich
befürchte, daß man den Erhalt
des bisherigen Instuments nicht ernsthaft
in Erwägung gezogen hat,
sondern den überkommenen Bestand willfährig
aktuellen Intentionen opfert.
Dem Domkapitel meinen Gruß,
aber bei der Einweihung der neuen Orgel muß
ich nicht dabei sein,
Ulrich Schlieker
Dorffeld 150
48308 Senden
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| Leserbrief 27.Jan.2003
Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer,
mit großem Interesse habe ich den Aufsatz/Vortrag "Die Orgel der
Reger-Zeit" gelesen. Da ist viel Wahrheit (und auch Weisheit) drin:
daß es die "wahre" Reger-Orgel ebensowenig gibt wie die
"wahre" Bach-Orgel (das neue Ding in der Thomaskirche in Leipzig
scheint es mir gewiß nicht zu sein). Erstaunlicherweise stellt man bei
diesem Vortrag aus dem Jahr 1974 fest, daß wir heute keinen Zentimeter in
der Diskussion weiter sind - eher sind wir wieder dahinter
zurückgefallen.
Nur ein kleines Beispiel: vor einigen Jahren fand im Verdener Dom ein
Orgel-Workshop mit verschiedenen Organisten statt. Im Verdener Dom steht
eine dreimanualige Furtwängler & Hammer-Kiste aus dem Jahr 1916 (53
Register, pneumatische Taschenladen mit apokalyptischer Verzögerung, ein
ungeheurer Klang - und alles noch original!) und eine klanglich
schwachbrüstige Hillebrand-Orgel (III/42 Register) von 1968, idealtypisch
für den ausgedünnt-orgelbewegten Klang.
Wolfram Syré spielte auf beiden Orgeln die Passacaglia in c von Bach:
auf der romantischen Orgel im Straube-Stil, auf der Hillebrand-Kiste im
Barock-Stil (=einheitliche Registrierung von Anfang bis Ende, keine
Manualwechsel - nehmen wir's mal als "Barock", auch darüber
ließe sich lange streiten).
Für mich ein Schlüsselerlebnis: die Interpretation auf der
Furtwängler & Hammer-Orgel ging mir sehr viel näher als die auf der
Neobarock-Orgel. Und das ist nicht die einzige Erfahrung dieser Art: es
gibt eine CD mit Winfried Petersen an der wundervollen Ladegast-Orgel des
Schweriner Doms, u. a. mit Buxtehudes Präludium und Fuge in g und Bachs
Fantasia in G. Und beides klingt für meine Ohren auf dieser
ur-romantischen Orgel sehr viel schöner als viele andere von mir gehörte
Einspielungen auf Instrumenten, die prima vista vermeintlich besser
geeignet sind für diese Musik.
Was lernen wir daraus? Alles Quatsch mit dem Gefasel um die angebliche
"Ideal"-Orgel, noch "quätscher" das auch in dem
Vortrag Ihres Vaters zitierte lächerliche Gerede vom "nordischen
Geist", das genauso unerträglich ist wie die bellende, geifernde
Moderatorenstimme aus der "Deutschen Wochenschau" (wenn man dort
übrigens mal den Ton abstellt, wirken die Bilder auf einmal ganz anders).
Ganz ähnlich übrigens die unendliche Diskussion um
"gleichstufig" oder "ungleichstufig".
Bleibt nur noch ein großes Thema, das noch seiner (hoffentlich
baldigen) Abhandlung in "Ars Organi" harrt: "Max Reger und
Wahlfried Ficker - Antipoden der Musikgeschichte?"
Gruß aus Osnabrück!
WG
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| Sehr geehrter Herr WG
selbstverständlich sind wir heute keinen Millimeter weiter, ich habe
heute eher den Eindruck, dass wir eher in die "Endphase der
Orgelbewegung" geraten sind, und nur noch "toleranter und
unverbindlicher " geworden sind anstatt rigoroser. Während einer
Fahrt habe ich heute "Wolfgang Metzler : Romantischer Orgelbau in
Deutschland" gelesen, das 1964 oder 65 im EFWalcker-Verlag erschienen
ist. Natürlich hab ich das schon vorher mal gelesen, aber heute mit
anderen Augen und Ohren, und man kann sagen, dass es immer noch völlig
revolutionär klingt, aber in der Sache richtig und klar. "Finger weg
von den Kompromiss-Orgel". Die Kompromissorgel ist Unsicherheit des
Stilempfindens, oder weitergetrieben "Geschmacklosigkeit". Wenn
man auf die technische Überbetonung des Deutschen Orgelbaus um 1900, den
Finger auf die Wunde legt und dann ein Bekenntnis zum Orgelklang macht, so
hat man diese Verfallszeit vielleicht überwunden - aber sehen Sie doch
mal die heutigen Orgelbauer an : Nichts als Technik, keinerlei Klang mehr,
überhaupt keine Auseinandersetzung mit Klang mehr, soll da noch ein
Komponist der Gegenwart gereizt werden ?
Ideal-Orgel das wäre etwas für Platonisten a la Jahnn und Mahrenholz,
aber schon nicht mehr für Schweitzer und Rupp, die sich zu romantischen
Orgelklang bekannt haben.
Die Geschichte der Menschheit zeigt in aller Klarheit, dass es keine
Linearität gibt und damit auch keine Stadt Jerusalem auf Erden. Damit
kommen wir einfach wieder auf die alten Esoteriker bis zu den Gnostikern,
die schon vor rund 2000 Jahren wussten, dass mit Entwicklung, Effizienz,
Kausalität etc. etwas Mechanisches außen ist, aber nicht das Ideale, das
verharrt ohne Zeit und Raum. Ich denke mir Platon und seine Ideenlehre
einfach viel tiefer und damit glaube ich auch an eine Bewegung, weil der
Mensch ohne diese Bewegung, als wesentliches Element nicht leben kann.
Dazu kommt natürlich noch der in den letzten zweihundert Jahren
gefundene Perspektivismus, der besagt, dass ja durch die laufende
Veränderung der Menschen und ihren Empfindungen, die Kunst und Ihre
Maschinen mitbewegt werden, selbst wenn sie feststehen würden. Dies alles
sagt uns nur eines, es ist vielleicht gut im Kleinen einige Schritte
zielgerichtet zu machen, aber im Großen gibt es kein Ziel und schon gar
kein Endziel.
Mit vielen Grüßen
Gerhard Walcker-Mayer
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