eingefügt am 15.Mai 2005 /gwm

 

     
 

Musik auf der Walcker-Orgel in MP3-Stücke konvertiert 

gespielt von

Domorganist Wolfgang Oehms

Trier

 Musikwissenschaftliche Verlagsgesellschaft m.b.H. Stuttgart  1969

auf von LP auf MP3 übertragen Mai 2005 /gwm

(Achtung: Die MP3-Daten sind noch nicht aufgespielt, dies wird in rund 8 Tagen geschehen. Die Stücke von Schilling werden auf dieser Webseite  später eingefügt / gwm Mai 2005)
 

Daß große Orgeln für den Spieler eine Vielfalt an Farben und Klängen bereithalten, weiß man. Daß aber auch kleine Instrumente mehr Möglich­keiten bieten, als man zunächst vielleicht annehmen möchte, soll die vor­liegende Aufnahme beweisen. Freilich bedarf die kleine Orgel, um wirklich vielseitig zu sein, einer wohlüberlegten Disposition, geschickter Mensura-tion und einer hervorragenden Intonation. Nicht zuletzt aber ist ein Spieler notwendig, der das Instrument geschickt auszunutzen weiß und auch ent­legenere Möglichkeiten zu finden vermag. Wir hoffen mit dieser Platte einige Anregungen geben zu können.

Für die Aufnahme stellte die Firma E.F.Walcker & Cie., Ludwigsburg, 3 Orgeln verschiedener Größe zur Verfügung, auf denen das Programm abwechselnd reihum eingespielt wurde. Die Verwendung von drei Instru­menten ist eine Besonderheit dieser Aufnahme. Die Dispositionen der 3 Orgeln finden sich auf den Seiten 6 u. 7.

Das Programm selbst ist der Demonstrationsabsicht der Platte entsprechend zusammengestellt. Es ergab sich dabei fast von selbst, daß die Stücke zum großen Teil Variationsformen sind. Wert wurde vor allem auf stilistische Vielfalt gelegt. Diese ist auch gewährleistet, wenn dem Komponisten Hans Ludwig Schilling eine ganze Plattenseite eingeräumt wurde, durch die Ver­schiedenartigkeit der von ihm gewählten Kompositionstechniken. Es er­schien uns vernünftig, eine Seite mit alter Musik zu bespielen und die andere der zeitgenössischen Musik vorzubehalten. Hans Ludwig Schilling hat im Auftrag von Orgelbaumeister Werner Walcker-Mayer zwei Stücke eigens für diese Einspielung geschrieben (Versetten über „O Welt, ich muß dich lassen" und Chaconne nouvelle), die hier gewissermaßen ihre Urauffüh­rung erleben und in denen die Demonstrationsabsicht der Schallplatte be­sonders deutlich zutage tritt, ohne daß es trockene Lehrstücke wären. Wie gesagt befinden sich auf der A-Seite Werke alter Meister: eine kammermusikalisch intime Variationsreihe in C-Dur von Giambattista Martini (1706-1784), die mit Absicht auf einem als Hausorgel gedachten Instrument dargestellt wird.

Voluntary IX in g-moll von John Stanley (1713-1786)   mit  ausladendem Largo und anschließendem Allegro-Fugato mit eingestreuten Echostellen. Choralvariationen über,, Wer nur den lieben Gott läßt walten"-von Georg Böhm (1661-1733), ein Zyklus in „Böhmscher Manier" mit vielfältig coloriertem und abgewandeltem cantus firmus in der Oberstimme. Präludium und Fuge in D-Dur von Dietrich Buxtehude (1637-1707), das bekannte festliche Stück.

Noch einige Worte zu den Stücken von Hans Ludwig Schilling: Die Versetten über ,,O Welt, ich muß dich lassen" schaffen die Verbindung zur alten Literatur auf der A-Seite durch Versetten-Reihung und streng stimmigen Satz. Die kanonische Strukturierung unterstreicht diese Devise. In der Klanglichkeit freilich ist die typische Sprache Hans Ludwig Schillings in keinem Takt zu verkennen. Dem Textvorwurf entsprechend wurde auf lebhafte Figurierung verzichtet - was wiederum den mittleren Schwierig­keitsgrad eingrenzt. Dem Spieler ist für eine individuelle Einrichtung des Zyklus freie Hand gelassen, verbindlich sind nur die dynamischen Pro­portionen.

Zwischen den beiden Auftragskompositionen als Eckpfeilern stehen zwei Stücke aus der früher entstandenen I. Partita für Orgel: Rondo quadrato ein durchweg einstimmig konzipiertes Stück, das seiner Struk­tur nach ein „Rondo im Rondo" darstellt.

Bicinium - Canon simul procedens ist ein zwölftöniges Stück von betont lyri­schem Charakter.

Chaconne nouvelle dehnt den „pädagogischen Zweck" auf den klar syste­matisierten Satz der Chaconne aus. Die „Baß-Reihe" (i.-i2. + I.Position) ist nicht nach alter Manier in stereotype Wiederholung gesetzt, vielmehr läßt der Komponist die Tonfolge „wandern", wobei die 2. Zeile mit der 2. Position, die 3. mit der 3. usw. beginnt. Rhythmisierung sowie Bewe­gungsrichtung sind generell beibehalten.

Die Kontrapunktierung der voraus komponierten Gerüststimme verläuft als Mensur- oder Bewegungsverdichtung (bzw. Mensurschichtung), als Stimmensummierung und in der Steuerung der Lagen- und Klangfarben­bereiche. Variation findet sich außer jener gespreizten Permutation der Basisstimme durch unregelmäßige Oktavversetzung, Phrasierung sowie wirkliche Tondauer (Pausendurchbrechung). Unter Einsatz aller gebotenen Mittel ist die größtmögliche Klangvarietät aus der Orgel herauszuholen. Neben herkömmlichen Spielgewohnheiten werden Interpret und Hörer auch mit Tremolo-, Glissando- und Cluster-Praktiken bekannt gemacht. Bis auf den Schluß der einstimmigen Coda-Lineatur ist nur die in der Gerüst-„Melodie" vorgestellte 12-Tonreihe eingesetzt - nur in der Original­gestalt ohne Umkehrungs- oder Krebs-Abwandlungen. Auf Seite 8 ff. sind die verwendeten Registrierungen aufgezeichnet. Die Aufnahmen wurden am 2. Mai 1969 in der Montagehalle der Firma E. F.Walcker & Cie., Ludwigsburg, vom MPS-Tonstudio, Villingen, durchgeführt.

Tonmeister: Rolf Donner.

Aufnahmeleiter: Dr. Hans Ludwig Schilling.

Reimund Böhmig

 

Dispositionen  der drei für die Aufnahme verwendeten Walcker-Orgeln

Alle Instrumente haben Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur.

Orgel I (kath. Kirche Bad Eilsen)

Manual C-c" " = 6l Töne                               Pedal C-f = 30 Töne

1. Gedeckt 8'                                                   7. Subbaß 16'

2. Prinzipal 4'

3. Rohrflöte 4'

4. Oktave 2'

5. Tertian 2 fach ab b

6. Scharf 3 fach

Koppel: Manual/Pedal

Orgel II (Gemeindehaus Kollwitzstraße, Frankfurt-Hausen)

J. Manual C-c" " = 61 Töne                           II. Manual C-c" " = 6l Töne

1. Gedeckt 8'                                                  4. Rohrflöte 8'

2. Nachthorn 4'                                              5. Quintade 4'

3. Harfenprinzipal 2'                                     6. Sifflöte l'

Pedal C-f = 30 Töne

7. Rankett 16'

Koppeln: II/I, I/II, I/P, II/P

 

Orgel in (Kapelle des Exercitienheims Vierzehnheiligen)

I. Manual (Hauptwerk) C-g"' = 56 Töne

1. Gedeckt 8'

2. Prinzipal 4'

3. Nasard 22/3'

4. Schwiegel 2'

5. Mixtur 4 fach 1 1/3'

6. Franz. Oboe 8' - Tremulant -

 

II. Manual (Schwellwerk) C-g" ' = 56 Töne

7. Rohrnöte 8'

8. Salizional 8'

9. Koppelflöte 4'

10. Prinzipal 2'

11. Oktave 1'

12. Terznone 1 3/5' + 8/9'

13. Zimbel 3 fach 1/2'

 

Pedal C-f = 30 Töne

14. Subbaß 16'

15. Gemshorn 8'

16. Choralbaß 4'

17. Mixtur 3 fach 2'

18. Fagott 16'

Koppeln: II/I, I/P, II/P

                                                                                                                                                       

Registrierungen und MP3 Dateien 

Es sind, soweit möglich, alle gerade gezogenen Register aufgeführt. So ist jeweils das vollständige Klangbild an den angegebenen Punkten ersichtlich.

 

Giambattista Martini (1706-1784)                                                

Aria mit Variationen in C-Dur        (MP3 4,9MB)                            

gespielt auf Orgel II

 

ARIA                         Manual I    Gedeckt 8' (beide Hände)

Variation i                 Manual I   Nachthorn 4' (rechte Hand)

Manual II Rohrflöte 8' (linke Hand)

Pedal         Koppel II/Pedal

Variation 2                Manual I    Gedeckt 8' Harfenprinzipal 2' (beide Hände)
Pedal          Rankett 16'

Variation 3                Manual II  Rohrflöte 8' Quintade 4' (beide Hände)

Variation 4                Manual I    Gedeckt 8' Nachthorn 4' (linke Hand)
Manual II   Sifflöte 1' (rechte Hand)

Koppel I/II
Pedal          Rankett 16'

 

John Stanley (1713-1786)                                                          

Voluntary IX in g-moll  (MP3  4,6MB)                                      

gespielt auf Orgel II

LARGO                    Manual I    Gedeckt 8' Nachthorn 4' Harfenprinzipal 2'
Manual II  Rohrflöte 8' Quintade 4'

Koppel II/I (beide Hände auf I)
Pedal          Rankett 16'

Koppel I/Pedal

ALLEGRO                Manual I    Gedeckt 8' Nachthorn 4' Harfenprinzipal 2'

Manual II Rohrflöte 8' Sifflöte i'

Pedal          Rankett 16'

Koppel I/Pedal

(beide Hände auf I im Wechsel mit II)

die 14 letzten Takte + II/I

 

Georg Böhm (1661-1733)                                                         

Choralvariationen über „Wer nur den lieben Gott läßt walten" 

(MP3    6,5 MB)

 

 gespielt auf Orgel I

Variation l                                  Gedeckt 8' Rohrflöte 4'

Variation 2                                 Gedeckt 8' Oktave 2'

Variation 3                                 Gedeckt 8' Rohrflöte 4' Oktave 2' Scharf 3 f.

Variation 4                                 Gedeckt 8' Prinzipal 4'

Variation 5                                 Rohrflöte 4'

Variation 6                                 Gedeckt 8' Oktave 2' Tertian 2 f.

Variation 7                                   Gedeckt 8' Prinzipal 4' Oktave 2' im Wechsel mit

Gedeckt 8' Rohrflöte 4' 3. letzter Takt + Scharf 3 f.

 

Dietrich Buxtehude (1637-1707)                                                  

Präludium und Fuge in D-Dur   (MP3 4,6MB)                         

gespielt auf Orgel III

 

PRÄLUDIUM         Manual I    Gedeckt 8' Schwiegel 2'

                                 Manual II  Rohrflöte 8' Salicional 8' Koppelflöte 4' Prinzipal 2'

Oktave 1'
Pedal          Subbaß 16' Choralbaß 4'

Koppel I/Pedal

(beide Hände auf II)

FUGE (Takt 21)        Manual I    Gedeckt 8' Nasard 22/3' Schwiegel 2' Manual II  Koppelflöte 4' Prinzipal 2'

(Schweller fast geschlossen)
Pedal          Gemshorn 8'

Koppel H/Pedal

(beide Hände auf I)

FUGE (Takt 60)        Manual II   — Koppelflöte 4' + Rohrflöte 8'

(beide Hände auf II)

ADAGIO (Takt 62) Manual I    Gedeckt 8' Prinzipal 4' Nasard 2*/3' Schwiegel 2'

Mixtur 4 f. Franz. Oboe 8' Manual II  Rohrflöte 8' Koppelflöte 4' Prinzipal 2' Terznone

Zimbel 3 f.

Pedal          Subbaß 16' Gemshorn 8' Choralbaß 4' Fagott 16'
Koppeln U/l, H/Pedal
(beide Hände auf I, 8 Töne tiefer)

ALLEGRO (Takt 70) Manual I    — Franz. Oboe 8'

Manual II    — Terznone — Zimbel 3 f. — Koppel II/I (beide Hände auf II im Wechsel mit I)

ALLEGRO (Takt 95) Manual I    + Franz. Oboe 8' Manual II    + Zimbel 3 f. Koppel II/I (beide Hände auf I)

 

 
 
     
     
     

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Besitzer : Orgelbau Gerhard Walcker-Mayer

G. Walcker-Mayer (gwm) gewalcker@t-online.de

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