ORGELKONZERT

auf der

WALCKER-ORGEL OPUS 2432 in der

Martin-Luther-Gedächtniskirche

Berlin-Mariendorf

 Martin Schulze

 

 

 

 

 

Diese Orgel wurde 1935 gebaut und kam durch einen Zufall zum "Parteitag der Freiheit" der Nationalsozialisten kurzfristig zum Einsatz. Sie stand in Nürnberg rund 8 Wochen, war dort hinter dem großen Hakenkreuztransparent (siehe Bild2) und Speerschen Fahnen aufgestellt und wurde danach in Berlin installiert. Die Disposition dieser Orgel stammt von Kuhnert und Schwarz.

 
   
     

 

Einleitende Gedanken (gwm 25.4.09)

Der Zuruf "Heil!" kündigt das "Heilige" an, der Ruf "Heil Hitler!" hingegen scheint den "Teufel" anzukündigen. Wobei man sehr vorsichtig mit diesem Begriff sein sollte, da er doch von dem altdeutschen "Teufe" abstammt, was die oder das "Tiefe" besagen soll, und mit dessen vielsagendem Gebrauch man schnell die ganze abendländische Philosophie seit der Aufklärung ins Diabolische verdammen würde. Das Letztere hingegen ein Terminus, der aus dem Griechischen stammt und jenem Adolf Hitler noch am ehesten gerecht wird. Diablo (griech. Diábolos „der Verleumder, Verwirrer“)

Wir Deutschen haben ein Problem mit unseren Orgeln, ihren Begriffen und ihrem Absolutheitsanspruch. Das wird mir mehr und mehr bewusst, je öfter man im Ausland den Gebrauch von Orgeln und Orgelmusik studieren kann. Weil eben hier im rund um das von "Ausländern" umzingelte Germanien im Kult mit der Orgel, auch jenseits aller Religionen, unüberbietbare Höhepunkte der Orgelkompositionen - und Interpretationen geschaffen wurden. Wir können vom "Ewigkeitsanspruch" und damit von J.S.Bach und Max Reger nicht lassen. Wir sind verdammt zum ewig angehaltenem Ton der Orgel. Wir werden Bach als fünften Evangelisten noch hören, wenn wir längst keine Kirche mehr betreten werden. Die Romantiker, die "Gott getötet haben", sie haben uns die "Ästhetik" hinterlassen, mit der wir weiterleben müssen, wenn wir auf Religion verzichten wollen oder müssen. "Der Nationalsozialismus kann ohne das Verständnis von Wagners Musik nicht begriffen werden", ein Zitat Adolf Hitlers (wieder mal zitiert in Hollywood-Stauffenberg-Walküre, wo ein glamourierter Nazismus der Militärs gegengehalten wird, als ob uns der rational handelnde Verbrecher lieber wäre als der Paranoid), das dessen verwirrten Zuständen gerecht wird. Weil wir das gottgegebene Genie Wagners von seiner kleinkarierten Persönlichkeitsstruktur getrennt wissen wollen, wie wir das auch bei Martin Luther tun sollten, wo "brennwütiger Antisemitismus" mit der klarsichtigen Behandlung des Juden Jesu sich nicht vereinen.

Die nachfolgende Orgelmusik war für mich eine besonders wertvolle Erfahrung, weil dieses Instrument gebaut im Jahre 1935, und das im September diesen Jahres auf dem Parteitag der Nazis in Nürnberg seinen kurzen Auftritt haben sollte, ein Schwesterinstrument zur Walcker-Orgel im Bukarester Athenäum (gebaut 1939) ist, das wir fast 18 Monate vor Ort zu restaurieren hatten. Und somit haben wir einen interessanten Vergleich zweier orgelbewegter Werke aus dem Hause Walcker, die klangliche Gemeinsamkeiten besitzen, eine Art kontrastrierende Koinzidenz besitzen, aber auch in wesentlichen Punkten auseinanderdriften. Dort, wo wahrscheinlich für den Gesang der 35.000 das Mariendorfer Werk aufgerissen wurde, haben wir in Bukarest eine helle, leichte Stille, die fast grazil einen "Bass" tanzen lässt, während wir auf dem Reichsparteitag 1935 den "stahlhelmbewehrten" Grund rotzig auftrumpfen hören.

Wir geben hier das Orgelkonzert von Manfred Schulze an der Walcker-Orgel in der MARTIN-LUTHER-GEDÄCHTNISKIRCHE in BERLIN-MARIENDORF wieder, das Schulze am 15.Februar 2009 dort aufgeführt hat und bei dem viermal Max Reger gespielt wurde und fast wie eine Alibifunktion einmal Felix Mendelssohn-Bartholdy mit der von Martin Schulze transkribierten Fassung der Choralmotette "Aus tiefer Not".

02 Max Reger: Toccata und Fuge a-moll op. 80

03 Max Reger: Choralvorspiel "Oh Welt, ich muss dich lassen" aus op. 52

05 Felix Mendelssohn Bartholdy: Choralmotette "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" transkribiert von Martin Schulze

08 Max Reger: Choralvorspiel: aus op.135

09 Max Reger: Toccata und Fuge d-moll op. 129

Die Disposition und eine Kurzgeschichte dieser Orgel finden wir als Auszug aus dem Buch von Prof.Dr. Michael Kaufmann "Orgel und Nationalsozialismus" als PDF.

MARTIN SCHULZE, Kurzbio: geboren 1967 in Erkner bei Berlin, Kirchenmusikstudium in Greifswald (B-Abschluß), Studium "Schutz europäischer Kulturgüter" an der Viadrina in Frankfurt/Oder (Abschluß: Magister, M.A.), Orgelsachverständiger, Organist und Kantor zunächst in Friedland (Mecklenburg) und Himmelpforten bei Stade, seit 2003 an der historischen Gloger-Orgel von St. Severi in Otterndorf; Aufsätze und Buchveröffentlichungen insbesondere zur Brandenburgischen Orgelgeschichte und -landschaft (Band 5 der Reihe "Orgelhandbuch Brandenburg", Edition Labium, in Vorbereitung ist ein weiterer Band über die Orgeln der Prignitz); demnächst erscheint von ihm bei der Edition Labium: "Orgellandschaft Hadeln" (eine Region zwischen Stade und Cuxhaven mit reichem historischen Orgelbestand); rege Konzerttätigkeit sowohl regional als auch in den neuen Bundesländern (insbesondere Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg) und international (Riga, Dom).

 

 

  Bilder der Kirche, der Orgel, einer deutschen Vergangenheit, die doch noch in Berlin lebendig ist. Und das ist gut.

Mahnmale wie Wundmale:

 
   
   
   
   
   
       

 

 

 

 

 

 

Impressum : 

Besitzer : Orgelbau Gerhard Walcker-Mayer

G. Walcker-Mayer (gwm) gewalcker@t-online.de

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