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eingesetzt am 16.März 2002
Dokumentation
(die
vollständige Dokumentation ist erhältlich
unter Russe_doc (650 kByte *.pdf))
über
die Voit-Orgel in
Russe
/ Bulgarien
(c) gwm 2002
I.
Allgemeiner Befund
Die Orgel wurde von mir während
dem 2. und 3. März 2002 ausgiebig untersucht.
Neben einer extrem starken Verschmutzung durch Staub und Mörtel aus
Decke und Wänden, was durch Erdbebeneinwirkung verursacht sein kann, ist das
Pfeifenwerk durch unsachliche Stimmeingriffe teilweise beschädigt. Ein
weiterer Kostenfaktor, der von meinem Kostenanschlag nicht berücksichtig
wurde ist, dass die beiden Magazinbälge partiell nachbeledert werden müssen.
Viele der Bleirohre der pneumatischen Traktur sind unsachgemäß gelagert und
daher geknickt oder gerissen. Innerhalb des Spieltisches und der Orgel sind
verschiedene Membranen aller Größen ausgewechselt worden. Auch in diesem
Bereich muß grundsätzlich alles erneuert werden. Der Motor ist über ein
primitives Spanplatten – Rollventil mit dem Hauptbalg verbunden, zumindest
dieses Ventil muß erneuert werden, außerdem sollte der Motor in ein Gehäuse
gebaut werden und die Ansaugung der Luft über Filtermatten gestaltet werden.
Die Arbeit an den Windladen wird gesondert beschrieben, sicher ist aber, dass
die komplette Papierung entfernt wurde und damit zuerst einmal erhebliche
Störungen durch Windverschleichen von Kanzelle zu den Pfeifen verursacht
wurden.
Grundsätzlich kann gesagt
werden, dass die Arbeiten mit zwei Helfern voraussichtlich 10 bis 12 Wochen
dauern werden. Eine Nacharbeit, die etwa 6-8 Monate nach den
Restaurierungsarbeiten gemacht wird, soll vor allem gewährleisten, dass das
komplette Instrument reguliert und in allen Teilen noch einmal durchgesehen
und gestimmt wird.
Der große Magazinbalg im
Untergehäuse und darüber die drei Windladen : Pedal, Hauptwerk und
Schwellwerk. Über diesem Hauptbalg befindet sich ein schmalerer Magazinblag
für die Windversorgung der Manualwindladen. Die komplette Windanlage muß
sorgfältig überarbeitet und abgedichtet werden. Der Motor kommt in ein extra
Gehäuse. Im Laufe der Intonation wird festgestellt, ob dieser Motor mit 120mm
WS/ 8cbm p/min beibehalten werden kann, oder ob man ein neues Gebläse
anschaffen soll.
Die Orgel ist, wie von Voit zu
erwarten, in hervorragender Qualität gefertigt, und verspricht bei guter
Restaurierung ein ausgezeichnetes Instrument mit herrlichem Klang zu werden.
Auch mit der bescheidenen Größe wie sie sich in der Disposition darstellt,
kann dieses Werk sehr gut für Orgelkonzerte aller Art benutzt werden und für
die nächsten Jahrzehnte im Gottesdienst eingesetzt werden. Wichtig ist
auch schon jetzt darauf hinzuweisen, dass nach dieser Restaurierung keine
Arbeit von unausgebildeten Kräften am Instrument vorgenommen werden dürfen,
da hierfür das System einfach viel zu empfindlich ist. Daher sollte während
der Restaurierung eine Person gründlichst in das Orgelsystem und alle
Feinheiten ausgebildet werden.
Wir haben an verschiedenen
Stellen starken Befall von Holzwurm festgestellt und wir sind der Auffassung,
dass hier sehr gründlich das gesamte Holzwerk mit Xylamon behandelt werden
muß, am besten 4 bis 5 mal intensiv. Es gibt hier bereits umweltgeschützte
Produkte mit blauen Engel, so dass keine Gesundheitsgefährdung mit diesen
Mitteln geschieht. Die entstanden Löcher sind, wenn sie keine statische
Gefährdung darstellen mit Wachs auszufüllen, im anderen Fall mit Knochenleim
und eventuell Holzmehl. Pfeifenwerk, das von Holzwurm befallen ist, muß sehr
gut mit Wachs ausgefüllt werden, falls aber klangliche Beeinträchtigung da
ist, müsste die einzelne Pfeife mit Weißleim ausgegossen werden.
Bei den Prospektpfeifen schlagen
ich vor, dass man diese Pfeifen mit 2-3000er Schleifpapier fast hochglänzed
schleift bzw. poliert und dann eine Chromlackbehandlung vornimmt, die
gewährleistet, dass die Pfeifen unverkennbar wie ein edler
Zinnpfeifenprospekt aussieht. Die übrige Vorderfront würde ich vorschlagen,
nach der gründlichen Staubreinigung zu belassen. natürlich ist auch möglich
die Gold-Bronze wieder aufzutragen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich
während der Arbeiten einem Helfer zeige, wie die Bronzierung gemacht wird.
Die Farbe dazu kann ich auf Anforderung aus Deutschland mitbringen. Diese
Arbeiten habe ich hier schon öfters erfolgreich durchgeführt, würde aber
jetzt zeitlich nicht in unser Konzept passen.
II.
Disposition
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I.
Manual C-f3 ,54 Töne (HW)
1.Bordun
16’
2.Prinzipal
8’
3.Viola
da Gamba 8’
4.Oktave
4’
5.Cornett
3-4fach
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II.Manual
C-f3 (SW)
6.Geigenprinzipal
8’
7.Salicional
8’
8.Vox
coelestis 8’ ab c
9.Liebl.Gedeckt
8’
10.Rohrflöte
4’
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Pedal
C-d1
11.
Subbaß 16’
12.Zartbaß
16’
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Koppelwippen
II
/ I; I/P, II/P;
Super-I;
SuperII/I
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Wippen
Tutti;
Walze ab;
Handregister
ab
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Crescendowalze,
Schwelltritt
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III.
Pfeifenwerk
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Das Pfeifenwerk ist
besonders bei kleineren Pfeifen durch Stimmen und Tritte leicht
beschädigt.
Aber auch vereinzelte
Pfeifen müssen durch Ausrundieren wieder gerichtet werden
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Grundsätzlich ist aber
festzuhalten, dass nach einer gründlichen Reinigung der Metallpfeifen
mit warmen Wasser und Seifenlauge, bei Holzpfeifen nur trockene
Reinigung, die Pfeifen vom größten Übel befreit werden, nämlich dem
Schmutz auf den Kernen. Beim Abtropfen des Wassers vom Kern wird der
Schmutz entfernt und die Pfeifen können wieder frisch durchatmen
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an diesem Bild rechts
erkennt man deutlich die Wirkung der Chromoberfläche. Auf der linken
Seite befinden sich Prospektpfeifen die mit einer ganz normalen
Zinkbronce behandelt wurden, auf der linken Seite habe ich Chromspray
verwendet, das hochglänzend wie Zinnpfeifen aussieht. Dieses Verfahren
wurde von mir bereits bei mehreren Orgel ausprobiert zuletzt wurde es in
Mersch/Luxembourg angewandt, wo über 130 Pfeifen im Prospekt stehen.
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IV.
Windanlage
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Die Windanlage besteht aus
dem großen Magazinbalg im Untergehäuse hinter dem Spieltisch und dem
darüber liegenden Balg sowie den Kanälen die zu den verschiedenen
Windladen führen. Bei den Bälgen sind Zwickel und seitliche Belederung
teilweise undicht , zum Teil ist die Belederung nur unfachlich geflickt.
Dies komplette Flickerei ist zu ersetzen gegen gutes Balgleder. Die
Zwickel sind zu ersetzen.
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Der Schöpferbalg für
Winderzeugung per Fuß hat sich als funktionsfähig erwiesen, aber auch
hier muß das Leder teilweise ersetzt werden
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Diese Kombination aus Motor
– Rollventil – und Magazinbalg funktioniert eigentlich gut. Dennoch
muß aus ästhetischen Gründen dieses Spanplattenventil ersetzt werden.
Alles weitere an dieser Anlage wurde bereits in der Einleitung gesagt.
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Diese schematische Skizze
erläutert die Funktionsweise des Rollventils
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V.
Windladen
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Bei dem Windladensystem
handelt es sich um ein Ausstromsystem, bei dem Wind zur Pfeife gelangt,
wenn das stehende Keilbälgchen von Wind entlastet wird. In diesem
Keilbälgchen ist eine Feder eingebaut. Jedes Keilbälgchen muß
unbedingt wieder genau an seinem ursprünglichen Platz gebaut werden und
es muß wieder die ursprüngliche Feder erhalten. Das heißt, dass alle
Bälgchen vor Ausbau nummeriert werden müssen, und dass diese Teile mit
äußerster Vorsicht und Delikatesse behandelt werden müssen. Von dem
zuzuschneidenden Spaltleder (Ia amerik. Havannaleder) sind Schablonen zu
fertigen, nach dem diese Lederstreifen zugeschnitten werden. Außerdem
muß die Kanzelle mit blauem Natronpapier zupapiert werden. Danach wird
ein weicher Moltonstoff auf die Kanzellendämme aufgebracht (siehe
linkes Foto, oben und unten wo die Bohrungen ersichtlich sind), was eine
sichere Abdichtung der Kanzellen ermöglicht.
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Die Ventilscheiben der
Bälgchen bestehen aus rotem Filz mit Belederung und bleiben erhalten.
Diese werden natürlich gereinigt.
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Am oberen Bild der Windlade
erkennt man noch Reste der Kanzellenpapierung, die in jedem Fall wieder
eingerichtet werden muß. Vor der Zupapierung sind die Taschen
gründlich zu überprüfen. Da die Neubelederung in Russe gemacht wird,
kann man so sehr effizient Register um Register in die Orgel einbauen
und ausprobieren.
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VI.
Spieltisch
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Der Spieltisch ist komplett
zu zerlegen, alle Membranen sind zu ersetzen. Alle Bleirohre sind zu
reinigen und wieder gut dicht zu befestigen.
Die Tasten sind zu polieren
und auszutuchen, ebenso die Registertasten.
Unsachgemässe Verklebungen
von Bleirohren wie unten erkenntlich sind zu entfernen
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Diese Ansicht zeigt die
Rückseite des Spieltisches mit seinen 54 Röhren pro Manual und den
Relaiskästchen rechts und links. Die Kästchen sind auseinanderzubauen,
die Ventile alle zu reinigen und alle Funktionen sind sorgfältigst zu
prüfen
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VII.
Orgelinneres,
Orgeltraktur
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Auf der rechten Seite
erkennt man, wie im Bereich der pneumatischen Traktur gearbeitet wurde
und, dass hier erhebliche Arbeit zu tun ist. Es sind in jedem Fall eine
angemessene Menge an Bleiröhren zu liefern und Verbindungsstücke aus
Buchenholz.
An den Fotos weiter unten
sieht man, dass diese Bleiröhren teilweise sehr abenteuerlich verlegt
sind, ohne abgestützt zu sein, was langfristig zu Problemen führt, da
die Röhren durchhängen und der Querschnitt verringert wird.
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Überholung der Relais :
die Membranen müssen erneuert werden, während die Ventile alle
ausgebaut werden müssen und ein erheblicher Teil der Lederscheiben
erneuert werden muß. Von diesen Relais geht es direkt zu den in den
Windladen eingebauten stehenden Keilbälgchen.
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VIII.
Zusammenbau –
Intonation und Stimmung
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Der Windruck in den
Manualwindladen beträgt 75mmWS - es ist aber wahrscheinlich, dass
durch unsachgemässe Einwirkung und Vertauschen der Balggewichte hier
nun andere Werte sind, wie es ursprünglich der Fall war. Wir haben in
vergleichbarerer anderen Orgeln 80 bis 85 mm WS. Es ist aber auch kein
Problem anhand des Pfeifenmaterials diesen genauen Winddruck mit genauer
Stimmung zu eruieren. Als wichtige und entscheidende Tatsache bleibt zu
bemerken, dass der ursprünglich Klang dieser Orgel herausragend ist und
als Ziel der Restaurierung das unbedingte Wiederherstellen dieses
Klanges gelten muß. In der Regel gilt hier, dass ja das Pfeifen
material die Vorgabe gibt und keinerlei Eingriffe in dieses
Material erfolgen darf, was diesen ursprünglichen Klang verfehlen
würde. Nach aller Erfahrung mit diesen Orgeln kann gesagt werden, dass
die Intonation und die Rückführung keinerlei Schwierigkeiten bereitet.
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Bordunpfeifen Hauptwerk
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Viola die Gamba Hauptwerk
– hier mit Gaviolibart
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Gerhard Walcker-Mayer
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