| |
Vorwort |
bei Doppelclicken erscheint
eine Grafik in 800x600 pix |
| |
Diese Arbeiten hat jeder Orgelbauer
irgendwann einmal durchzuführen. Und da dachte ich mir, eine kleine
Erinnerungsstütze ist ganz gut zu gebrauchen. Denn ohne ein planmässiges
Arbeiten ist das Neubeledern von Bälgchen, egal welcher Art sie nun sind,
ein nervenaufreibendes Unternehmen. Je besser die Vorbereitung und je eindeutiger die Tricks, desto einfacher und schneller ist man am Ziel. Einige Dinge
erkennt auch der absolute Profi oder bei seiner
Servicereparatur kaum : zum Beispiel ein Grat, der sich innerhalb des
Bälgchens beim Aufleimen bildet, und der nach einigen Betriebsjahren das
Leder aufgeschlitzt hat. Entfernt man diesen nicht, so wird dieses Bälgchen
bei immer geringer werdender Betriebsdauer wieder ausfallen. Oder eine zu
weiche Feder, die nicht nachgestellt wurde, verhindert akurate Repetition.
Leder, welches unter Spannung aufgeleimt wurde, das also Falten aufweist, wo
keine sein sollten, hingegen, zieht das Ventil geheimnisvoll auf anstatt es
zugehen zu lassen. Daher dieser workshop, der einige Tipps und Tricks zeigt,
wie man einfach an diese Arbeit herangehen kann. Über
Verbesserungsvorschläge oder andere Hinweise bin ich immer dankbar. |
 |
| |
Vorbereitung |
|
| a) |
Die Bälgchen sollen möglichst im M1:1
aufgezeichnet werden. Insbesondere von den Lederabwicklungen müssen genaue
Zeichnungen vorliegen, da diese Abwicklungen als Schablonen zum Zuschneiden
der Lederstreifen dienen. Von den alten Bälgchen ist es gut einige
"Prachtexemplare" abgezogen in einer Doku eingeleimt aufzubewahren.
Allerdings sollten diese Teile nicht als Maßstab verwendet werden, da hier die Maße
durch Dehnbarkeit des Leders sehr, sehr variabel werden. |
 |
| b) |
 |
 |
| c) |
Neben einem Zuschneidebrett sollte ein Winkellineal und ein kürzeres Stahlineal sowie einige Messer
und eine Schere bereit liegen. Wir verwenden als Leder "Spaltleder Ia
havanna amerik." von Herzog und Knochenleim von Dick. Um den Zuschnitt relativ effektiv zu
gestalten sollte man wie im Bild unter a) gezeigt einige Schablonen legen. |
 |
| |
Eine Musterbelederung |
|
| 1. |
Hier nun also liegen vier Bälgchen des
Voitschen Ausstromsystem vor uns in weißem Spaltleder und mit hilfsweise
angebrachten Zusatzfedern eines Orgelstimmers. Von ihm verwendet wurden auch
Knochenleim und Filzstücke, so dass wir davon ausgehen, dass diese Arbeit
etwa 1910 bis 1940 gemacht wurde. Es wurde an den Bälgchen der Vox
coelestis 8' im Schwellwerk vorgenommen. Die Bälgchen sind hier in allen
Ansichten fotografiert. |
 |
| |
|
|
| 2. |
Nun zerstören wir das erste Bälgchen weiter, indem wir die
Lederhaut mit dem Stemmeisen abschaben |
 |
| |
|
 |
| |
Beim Abschaben der Lederreste, darf nicht
vergessen werden unbedingt die an den Innen-Kanten sich gebildeten scharfen
Leimkanten zu entfernen. Diese sorgen ansonsten für recht schnellen Verfall
des neuen Leders. Auch das Nachjustieren der Feder sollte jetzt geschehen.
Ratsam ist in jedem Fall die Feder zu richten und etwas anzuziehen. |
|
| |
|
 |
| |
an dem nachfolgenden Foto geben wir nochmals
die Lederunterseite des Bälgchens deutlich zu erkennen. Diese Unterseite
stellt ein Loch für den Windfluss und ein weiteres Loch für die Schraube zur
Verfügung. Außerdem ist dieses Leder gleichzeitig das Scharnier der beiden
Bälgchenhölzer. Auf dieses Scharnier werden die beiden Enden der
Lederumwicklung später umgeklappt. |
 |
| |
|
|
| 3. |
Aus diesem Grunde wird dieses Leder zuerst
aufgeleimt : es verbindet die beiden Bälgchenholzplatten und dient später
als Träger der beiden Enden der kompletten Belederung |
 |
| |
|
|
| |
Nun ist der erste Schritt gemacht, das
Bälgchen hat die erste Belederung erhalten |
 |
| 4. |
Man presst nun mit zwei Fingern die beiden
Hölzer so zusammen, wie es auf diesem Foto dargestellt ist und bestreicht
diese mit dem Pinsel wie auf diesem Foto gezeigten Kanten mit Knochenleim. Der
Knochenleim sollte im Wasserbad auf einer Temperatur von 65 Grad Celsius
gehalten werden. In diesem Zustand kann man den Leim rund 2 bis 3 Tage
verwenden. Vorbereitet sein sollte nun : die neue Lederabwicklung auf ein Stück
weißes Papier legen, genau so, wie es nachfolgend aufgeleimt werden soll. Zu
beachten : die Finger sind vollkommen trocken zu halten, so dass man damit
das Leder glatt streichen kann. |
 |
| 5. |
dieser erste Schritt der Anleimung ist der
wichtigste, daher etwas Kommentar dazu :das linke Holzteil muß exakt an die
Lederkante aufgelegt werden. Unten steht eine Lederspitze über, die später
umgeklappt wird. Das Leder liegt auf weißem, sauberen Papier, während das
linke Holzteil, welches mit dem Leim bestrichen ist auf das Leder aufgelegt wird.
Danach
wird der rechte Holzteil aufs Leder gedrückt. |
 |
| 6. |
Das Bälgchen bleibt auf dem Papier liegen,
während man das Leder exakt an der linken Holzkante weiter andrückt und auch
rechts am zweiten Klötzchen das Leder heranführt... |
 |
| 7. |
...bis das Leder das komplette Bälgchen
umschließt. Jetzt heißt es, mit dem trockenen Finger das Leder sorgfältig
ans Holz andrücken und gegebenenfalls etwas korrigieren. |
 |
| |

die Falten, wie hier angedeutet, fallen von selbst wie sie
sein müssen, und werden erst später nach
Antrocknen des Leims eingepresst. |
 |
| 8. |
Umklappen der mit Leim befeuchteten Enden -
fertig |
 |
| 9. |
und hier sind unsere vier Kandidaten von oben
in neuem Gewande. Allerdings sind diese noch nicht in die erforderlichen
Falten gepresst. Dieser letzte Arbeitsschritt sollte am nächsten Tag, wenn
der Leim wirklich restlos getrocknet ist erfolgen. |
 |
| |
.... und nun heisst es : Pause und
erstmal Tee trinken
|
 |